Face Farces

Face Farces – Sherman, Rainer und die 4B

 

Das Selbstporträt ist seit jeher Spielfeld der Selbstinszenierung, des Rollenspiels und des Erforschens des eigenen Ichs.

Die amerikanische Fotokünstlerin Cindy Sherman schlüpft seit über 30 Jahren in unterschiedliche Rollen und Masken unserer Gesellschaft. Sie inszeniert sich als Monster, als Modell, als Mann… Sie ist immer selbst im Bild, ohne je sie selbst zu sein. Der österreichische Künstler Arnulf Rainer wiederum übermalt und überzeichnet Aufnahmen eigener Gesten und Posen. Für seine sogenannten Face Farces schneidet er Grimassen und fotografiert sich dabei selbst, um sein Abbild anschließend zu verfremden. Auf diese Weise kann er sein Ich immer wieder neu erforschen. Er schreibt: „Alle meine Fotoüberarbeitungen sind Selbstdarstellungen, Reproduktionen des mir noch nicht bekannten Ichs.“ (Arnulf Rainer, 1974)

In Anlehnung an Cindy Shermans Selbstinszenierungen und Arnulf Rainers überzeichneten Selbstporträts, beschäftigten sich die SchülerInnen und Schüler der 4B spielerisch und ernsthaft zugleich mit ihrem Selbstbild. Frei nach dem Motto „Ich ist auch ein Anderer“ fotografierten sie sich Grimassen schneidend und in unterschiedlichen Positionen selbst. Die so entstandenen Selbstporträts wurden in einem weiteren Schritt übermalt und verfremdet. Durch den dicken Farbauftrag konnten bestimmte Gesichtszüge verstärkt, andere wiederum völlig ausgelöscht werden. Manche Selbstporträts wurden radikal bis zu Unkenntlichkeit verzerrt, andere nur an bestimmten Stellen übermalt. Das künstlerische Experimentieren mit dem Selbstporträt ermöglichte zugleich auch eine Auseinandersetzung mit den Facetten der eigenen Identität.

Lisa-Maria Reiser, 2013

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