FPÖ Klubobmann Heinz-Christian Strache

Als der FPÖ-Klubobmann Heinz-Christian Strache den vollen Festsaal betritt, bemerkt man die Aufregung des jungen Publikums. Während der Diskussion sitzt der 42-Jährige ruhig und selbstsicher vor den SchülerInnen und stellt sich deren Fragen. Der Politiker hat eine kräftige Stimme, die er vor allem bei den kritischen Fragen in vollem Ausmaß nutzt: seine Lautstärke lässt die erste Reihe oftmals zusammenzucken.
Egal welche noch so scheinbar verzwickte Frage gestellt wird, der FPÖ-ler weiß sofort eine Antwort, dennoch werden manche Wortmeldungen nicht direkt beantwortet. Ein Schüler unterbricht den Politiker: Konstantin, 8B wiederholt seine Frage „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“ mit Nachdruck, da Strache in eine vollkommen andere Richtung gelenkt hatte. Erst beim zweiten Anlauf verrät der Parteiobmann, dass er an seinen Wahlerfolg glaube, was sich auch in seinem Auftreten spiegelt.
Im Gesprächsverlauf zeigt sich, wie gekonnt der blaue FPÖ-Chef mit dem noch so kritischen Publikum umzugehen weiß. Allerdings wird er gegen Ende unruhig, besonders als sein ehemaliges Wahlplakat „Daham statt Islam“ hinterfragt wird. Strache bietet kaum Angriffsmöglichkeit, sondern lenkt sofort ein und meint, aus seinem Plakat-Fauxpas gelernt zu haben: es hätte natürlich „Islamismus“ anstatt „Islam“ heißen müssen.
Bei anderen Fragen bellt der Klubobmann des Öfteren „Falsch!“ oder „Na, aufpassen!“ hinein, manchmal unterbricht er den Fragestellenden sogar. Dies ist unter anderem bei Unterstellungen in Bezug auf seine Äußerung beim WKR-Ball zu bemerken. Hier begibt sich Strache in die Opferrolle eines Politikers, dem jedes Wort im Mund umgedreht wird und der obendrein mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wird.
Mit seiner rhetorischen Fähigkeit schafft er es, Kritik an ihm und der FPÖ abzuwenden und gleichzeitig z.B. die Homo-Ehe an den Pranger zu stellen. Der Parteichef bleibt stoisch bei seiner Meinung und versetzt mit dieser einige SchülerInnen in Empörung. So meint er, es sei herabwürdigend für Kinder, die zwei Väter hätten, auf die Frage „Wie heißt denn deine Mama?“ mit „Hans“, antworten zu müssen. Heinz-Christian Strache ist der Überzeugung, ein Adoptionsrecht für homosexuelle Pärchen sei für Kinder schädlich.
Während der Diskussionsrunde lässt der FPÖ-Chef erkennen, wie sehr er die direkte Demokratie und Neutralität der Schweiz schätzt. Oft dienen diese Richtlinien für einen Vergleich mit der EU, zu der die FPÖ bekanntlich negativ eingestellt ist.
Der blaue Politiker schmückt die Beantwortungen oft mit Beispielen aus seinem eigenen Leben, beispielsweise berichtet er bei einer Frage zur Wehrpflicht-Debatte von seiner Stellung. Um den SchülerInnen seine Sichtweise näherzubringen, verwendet er leicht verständliche Ausdrücke, quasi „direkt aus dem Leben gegriffen“. Eine etwas ungeschickte Äußerung rutscht ihm beim Thema Asyl über die Lippen: Er spricht von Rumänen, Tschechen, Ungarn, die Asylbetrug betreiben würden und aufgrund von Chancenlosigkeit auf Arbeit zu Einbrechern werden.
Nach den zwei Stunden wirken eher die Stubenbasteiler erschöpft, als der blaue Politiker. Völlig Herr der Lage schreitet er von Applaus begleitet aus dem Festsaal – schon wieder ein Erfolgsmoment für den Parteichef der FPÖ.

14.01.2013

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