Wanderung durch die Ötschergräben zum Schutzhaus Vorderötscher und weiter zur Gemeindealpe

Ötscherbär? Den gibt´s doch gar nicht! So heißt doch nur der Zug!

Ganz so ist es nicht. Noch 2011 streifte das einsame Braunbärmännchen Moritz vergeblich durch das Ötscher-Hochschwabgebiet auf der Suche nach einem Weibchen. Ist er aus Liebeskummer gestorben? Zumindest seit damals fehlt jede Spur: Der Bär hat es bei uns schwer.

Eine abenteuerhungrige Gruppe von 17 SchülerInnen (10 Burschen, 7 Mädchen) traf sich in Meidling und fuhr mit dem Zug zuerst bis St. Pölten und dann mit der Mariazellerbahn bis Wiener Bruck. Wiener Bruck? Da sind wir richtig.

Neben dem Gebäude der Naturparkverwaltung gab es einen Wegweiser. Was heißt einen? Hundert gelbe Tafeln zeigten in alle Richtungen. Auf einer war zu lesen: 4h bis zum Vorderötscherhaus. Das verunsicherte mich ein bisschen. Doch dann ging´s los.

Überraschenderweise wanderten wir zuerst bergab in die Schlucht auf bequemen Wegen mit grandiosem Blick in die Tiefe, über gute Stufen, durch kurze Tunnels entlang des Baches, immer wieder das Tosen der Wasserfälle hörend. Das war genau das Richtige! So sollte es weitergehen. Nach ein paar kürzeren Trinkpausen machten wir eine größere direkt am Ötscherbach. Für Abwechslung war gesorgt: Einige Burschen stürmten eine steile Geröllrinne empor, lösten dabei Steine, Hannes (bei Outdoor gilt das Du-Wort) schrie sich die Seele aus dem Leib: Achtung Stein! Ein einsamer Schuh (des Manitou) schwamm den Bach hinunter, Seetang flog durch die Luft, gewagte Sprünge von einem Stein zum anderen, es war Zeit aufzubrechen.

Der zweite und letzte Teil unserer Flusswanderung war auch, bedingt durch das immer besser werdende Wetter, landschaftlich beeindruckend und jetzt verstand ich auch, weshalb sich Moritz hier so wohl fühlte, abgesehen von den vielen menschlichen Störenfrieden. Eine letzte Pause, dann steil hinauf zu unserer verdienten Hütte. Dort empfingen uns grasenden Kühe, um die wir zuerst einen großen Bogen machten. Erst als wir merkten, dass keine Jungtiere da waren, wagten wir uns mit Danielas Unterstützung näher.

Flo und Rafael, unsere Survival-Spezialisten hatten ihr eigenes Zelt plus Unterlagsmatten und Schlafsäcken mitgenommen, als sie hörten, dass sie auf der Hütte keinen Platz mehr hatten. Kompliment, denn am Abend wurde es richtig kalt. Nach dem Abendessen machten wir eine Nachtwanderung, bei der wir auch ein kurzes Stück allein durch den stockdunklen Wald gehen sollten: Uii, das war ganz schön spooky! Nach diesem ereignisreichen Tag war es Zeit, in unsere Schlafsäcke zu kriechen, und schon bald fiel ich in einen tiefen Schlaf, träumte von Bären, Wölfen, Kühen….und einem guten Frühstück.

Am Morgen traute ich meinen Augen nicht: Alles weiß! Hatte es geschneit? Nein, natürlich nicht, nur Nebel, der sich im Laufe des Tages sehr schnell lichtete. Nach dem Frühstück schnell alles zusammenpacken, ins Gästebuch eintragen, ein Gruppenfoto und rauf auf den Riedel, so nennt man das. Der Weg bis zur nächsten Alm war echt anstrengend, doch der herrliche Blick zum Ötscher und das perfekte Wetter waren eine gute Ablenkung. Übrigens: Matilda traf beim Aufstieg eine Freundin aus ihrer Theatergruppe, was wir alle sehr lustig fanden. Bei der Hütte in der Brach – was das auch immer heißen soll – überraschte uns ein unglaubliches Bergpanorama und wir sahen auch unser Ziel – die Gemeindealpe, leider mit einem riesigen Sender verunstaltet, aber mit einem Lift. Das war unsere Rettung: Rauf auf die Sessel und Good bye schönes Ötscherland!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.