Diese Stimmung mit dem Regen


Aufgrund des großen Erfolges der diesjährigen Theaterproduktion der Unverbindlichen Übung „THEOS“ (Theater Oberstufe) hat Sophie Bruckner (SB) aus dem Journalismus-Team des Jahrbuchs einem der vier THEOS-LehrerInnen, Andreas Knabl (AK), ein paar Fragen zur Aufführung „Romeo und Julia“ gestellt.

SB: 
Wie ja viele Menschen in unserer Schule wissen, sind Sie ein begeisterter Freund des Theaters. Doch wie kamen Sie eigentlich dazu? Und wie kam es eigentlich dazu, dass THEOS entstanden ist?

AK: 
Das ist eine schwere Frage. Ich glaube, angefangen hat es schon in meiner Schulzeit, denn mir hat das Lesen von Theaterstücken immer schon Spaß gemacht. Später war meine Begeisterung dann so groß, dass ich mich als Student auch mit Theaterregie beschäftigt habe und parallel zum Lehramtsstudium auch Theaterwissenschaft studiert habe. Und als ich dann an die Stubenbastei gekommen bin, hat sich das dann so ergeben. Meine KollegInnen Sieglind Gabriel und Martin Koschat wollten das schon seit längerer Zeit umsetzen, und dann hat sich das einfach gut ergeben. Dann haben wir das Projekt eine Zeit lang zu dritt geleitet, und letztes Jahr kam dann auch Roland Herbst dazu.

SB:
Und nun zur diesjährigen Produktion: Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, „Romeo und Julia“ aufzuführen?

AK:
Zuerst wollten wir ja ein komplett anderes Stück inszenieren, jedoch funktionierte das für unseren Rahmen nicht; oft ist es ja so, dass die Zahl der Schauspielerinnen und Schauspieler nicht ganz passt, oder, wie es dieses Jahr der Fall war, dass es trotz Kürzungen immer noch zu lange dauern würde. Dann haben wir nach einem Stück gesucht, das wir besser besetzen können und in dem es mehrheitlich um Figuren geht, bei denen wir der Ansicht sind, dass sie für 15- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler interessant und attraktiv sind. Und so kamen wir auf „Romeo und Julia“, denn wir dachten uns, dass dieser Liebesplott geeignet ist für diese Altersgruppe. Außerdem haben wir beim Lesen des Stückes empfunden, dass auch jede „erwachsene“ Figur so spricht, wie man sie im Alter von 15 bis 18 vielleicht wahrnehmen würde.

SB: 
Als ich die Aufführung gesehen habe, wunderte ich mich sehr über die unkonventionelle Inszenierung des Stückes und daher wollte ich von Ihnen wissen, wie sie auf die Idee gekommen sind, dass es immer regnet und dass ein Chor die Handlung begleitet.

AK:
Wie schon gesagt, wir empfanden das Stück als sehr nahe an Jugendlichen und wollten diese Stimmung mit dem Regen, sozusagen als Symbol dafür, dass man sich in diesem Alter oft unverstanden fühlt, auch noch einmal unterstreichen. Und was viele Leute nicht wissen ist, dass das Theater heutzutage ganz anders aussieht als zu Shakespeares Zeit. Damals fand parallel zur Handlung auf der Bühne noch viel anderes statt: Es war Tag, die Menschen haben sich unterhalten, gegessen und getrunken. So war es damals auch nicht üblich, sich eine Aufführung still und aufmerksam anzusehen, sondern etwa auch einfach seine Meinung mitten ins Geschehen zu brüllen – und so hatten wir die Idee für unseren Chor.

SB: 
Gab es während den Proben irgendwelche Schwierigkeiten? Also in Bezug auf SchauspielerInnen, die ihren Text nicht konnten oder an Probentagen nicht erschienen sind?

AK:

Ja, natürlich gab es da auch Schwierigkeiten. Etwa, dass manche sich nicht an den eisernen Grundsatz halten, dass Theater Teamsport ist. Also in dem Moment, in dem man eine Szene mit fünf Figuren probt, und eine Person kann ihren Text nicht oder erscheint kurzfristig nicht, dann ist das für diesen Augenblick gelaufen – und trotzdem findet am Ende eine Aufführung statt.

SB: 
Und um daran gleich anzuknüpfen, gab es eine besondere Herausforderung, die Ihnen schon am Anfang klar war, wie Zum Beispiel das Lernen von viel Text?

AK:
Naja, die ganz große Herausforderung heuer ist natürlich die sehr poetische und komplizierte Sprache, in der das Stück geschrieben ist. Also die Hauptarbeit an „Romeo und Julia“ war sicher, dass wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Verständnis für den Text erarbeiten mussten. Denn eine Schauspielerin oder ein Schauspieler muss ihren oder seinen Text nun einmal so überzeugend vortragen können, als wären ihr oder ihm diese Worte gerade erst eingefallen.

SB: 
Als die Proben dann beendet waren, und Sie nun das fertige Stück sehen konnten, gab es für Sie einen Lieblingsmoment? Also einen Augenblick, in dem Sie sich dachten: „Darauf bin ich wirklich stolz“?

AK:

Da gibt es viele! Wir sind alle vier jedes Jahr wahnsinnig stolz auf das Gesamtergebnis, weil die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe wirklich vieles leisten und das ganz großartig machen. Aber was immer mein persönliches THEOS-Highlight ist, sind Leute, die durch das Theaterspielen aus sich heraustreten und sich mehr trauen und dadurch dann ein bisschen verändert werden. Und zum anderen finde ich auch immer schön, dass dann immer so klassenübergreifende Freundschaften entstehen. Und szenische Highlights gibt es natürlich immer ganz viele, aber das ist gar nicht so das Zentrale. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann wahrscheinlich alle Szenen mit der Regenwand, die Roland Herbst ganz toll gemacht hat, aber auch die Balkon-Szene, die erste gemeinsame Nacht von Romeo und Julia und die Partyszene haben mir sehr gut gefallen.

SB:
Und nun zur letzten Frage: Wie haben Sie die Chemie zwischen Theo und Lili als Romeo und Julia empfunden?

AK:
Toll – denn sonst hätten wir sie ja nicht so besetzt. Aber was da natürlich die Idee war, war, dass wir gesagt haben, es soll so sein, dass es nicht von Anfang an selbstverständlich wirkt, dass die beiden das sind. Also dass sie kein gleiches Paar sind, sondern dass man als Zuschauer den Gedanken hat: „Aha, das ist aber spannend, dass die Romeo und Julia sind“. So hat man irgendwie den Effekt erzielen können, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die beiden selbst von der Liebe überrascht werden.

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