„Wir Helfen!“ – Stubenbastei im Ferry Dusika Notquartier

Am 2. November besuchten wir im Rahmen des Wahlpflichtfaches Politische Bildung das Ferry Dusika Stadion, welches momentan als Notquartier für ankommende Flüchtlinge dient und wo wir unsere Hilfe anboten. Dort angekommen, wurden wir für verschiedene Tätigkeiten eingeteilt, welche unter anderem aus Essen verteilen, Tee ausschenken und Kleider- und Hygieneartikel koordinieren bestanden.

Zugegebenermaßen herrschte in mir anfangs eine gewisse Unsicherheit und Skepsis. Was ist, wenn ich nicht verstehe, was sie wollen? Was ist, wenn sie mich nicht verstehen?

Doch bereits nach den ersten fünf Minuten entschwand diese Blockade, denn die Leute dort waren sehr zuvorkommend und sprachen alle zum größten Teil Englisch. Einige kannten sogar schon eine Reihe an deutschen Wörtern. Auch wenn meine Aufgabe lediglich darin bestand, den Menschen Handtücher, Shampoos oder Rasierer auszuhändigen, war die mir entgegengebrachte Dankbarkeit und der Respekt der Menschen immens groß und die Erfahrung, die wir alle machen durften, mehr als nur eine persönliche Bereicherung.

So hatten wir nicht nur die Möglichkeit, durch unsere Hilfe einen positiven Beitrag in der Flüchtlingskrise zu leisten, sondern konnten uns auch bei dieser Gelegenheit mit den fremden Menschen austauschen und dabei berührende Geschichten erfahren.

Ich lernte einen Mann kennen, der in seinem Heimatland Iran als technischer Ingenieur tätig war, doch aufgrund politischer Ansichten verfolgt und eingesperrt wurde, was ihn zur Flucht zwang.

Eine weitere Bekanntschaft machte ich mit einem äußerst höflichen und freundlichen Syrer, der sich mit „Merci“ bedankte, auf Englisch um etwas bat und mit seinen Kollegen Arabisch sprach. Auf meine Frage, „Ah, vous parlez français aussi?“ erzählte er mir in fließendem Französisch, dass er es in seiner Schulzeit gelernt hatte und außerdem noch Englisch und Italienisch beherrsche. Überwältigt von seinem perfekten Französisch – und ehrlich gesagt etwas überfordert – fiel mir nur „Ah oui, très bien!“ ein.

Im Allgemeinen war die Atmosphäre sehr angenehm und man versuchte auf alle möglichen Weisen miteinander zu kommunizieren, da nicht jede/r einzelne die englische Sprache beherrschte. Das Ergebnis war herrlich!

Da gab es die Gruppe, die einfach auf Farsi losredete und erwartete, dass man ihr folgen kann, dann die Leute, die pantomimisch vorgingen, um Sachen zu erklären. Beispielsweise strichen sie sich über die Arme, um anzudeuten, dass sie ein Handtuch bräuchten. Und schließlich jene, die sich einfachheitshalber ihr mobiles Wörterbuch zu Nutzen machten.

Eine weitere witzige Erfahrung, die wir beim Ausschenken des Tees gemacht haben, war für die Flüchtlinge der äußerst verblüffende Moment, als sich eine Helferin von uns einen Becher mit Milch einschenkte und diese dann trank. Zuerst machten alle große Augen, darauf folgte dann ein „Oh, you’re a baby!“ und anschließend großes Lachen auf beiden Seiten. Anscheinend ist es in ihren Heimatländern nicht üblich, dass Kinder sich nicht komplett der Milch entwöhnen, sondern diese durchaus noch als Erwachsene gerne zu sich genommen wird.

Wir alle hatten an diesem Tag enorm viel Spaß und sind nun um etliche neue Erfahrungen reicher geworden.

Was mich sehr berührte, war die fast ausschließlich positive Stimmung, die im Notquartier herrschte. Die Flüchtlinge, die ihr Leben und ihre Familie zuhause in ihrer Heimat ließen, hatten trotz allem noch stets einen Grund zum Lachen. Viele von ihnen mussten schwere Verluste hinnehmen und erlebten auf der Flucht nach Europa unvorstellbare Dinge. Doch sie ließen sich nicht von der misslichen Lage hinunterziehen, sondern machten das Beste daraus, entgegneten uns mit einem Lächeln im Gesicht und drückten ihre Dankbarkeit in nette, herzliche Worte aus.

Auch wenn die Zukunft der meisten Flüchtlinge in Europa nicht besonders rosig aussieht und die Bewältigung des Problems bei den EntscheidungsträgerInnen liegt, erachte ich es als sehr wichtig, gemeinsam als Zivilgesellschaft für diese Menschen da zu sein. Denn wir alle sind Zeuginnen und Zeugen dieser Zeit und zusammen können wir die ohnehin schwierige Situation zum positiven verändern. So war auch die Einstellung, mit der wir als Stubenbastei das Projekt „Wir helfen“ starteten, nämlich gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

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