Kinder im Kunsthistorischen Museum

Ein Besuch der Sonderausstellung Velazquez im Jänner 2015
Fächerübergreifender Unterricht in Bildnerische Erziehung und Deutsch

Ein Bericht von Roland Herbst

„Eigentlich ist dieses Bild ja unbeschreiblich.
Im Salon des Schlosses steht die dreijährige Infantin in einem rosa-weißen Kleid auf einem persischen Teppich. Das Mädchen trägt ihre blonden Haare schulterlang. Sie legt ihre rechte Hand auf einen Tisch mit blauem Tischtuch, in der linken Hand liegt ein Fächer. Ihr Kleid ist prächtig und hat viele Rüschen.
Margarita Teresa ist ein kleines Mädchen, von der Haltung her aber ist sie ein erwachsene Frau: steif, elegant, ernst, aber auch freundlich. Freiwillig hätte ich das nie gemacht!
Mir gefällt das Bild. Von weit weg sieht es perfekt gemalt aus. Doch eigentlich hat Velazquez nur herumgekleckst.“
(Wordrap der 1B, 1C)

Bilder sind Fenster zur Welt, die geöffnet werden wollen.
Die Klassen 1A, 1B und 1C sind auf Besuch im Kunsthistorischen Museum, um Kinderdarstellungen der Bildenden Kunst im Original für sich zu entdecken.

Zum Einstieg führt ein Artikel des BE- Buches in die Welt der gemalten Kinderleben, und schon stehen wir vor den packenden Gemälden des spanischen Barockmalers Diego Velazquez, der die Thronfolger der spanischen Habsburger vor beinahe vier Jahrhunderten so lebendig in Szene setzte.
In kurzweiligen sechzig oder gar neunzig Minuten eröffnen uns die beiden Kunstvermittler das Bild vom Leben der spanischen Infantinnen und Infanten, die schon als kleine Kinder den Gepflogenheiten des Hofes zu folgen hatten.
Wir erfahren, warum der kleine Prinz Baltasar Carlos schon jung so hoch zu Pferde saß und wie es Velázquez gelang den Sechsjährigen als einen Herrscher über uns hinweg galoppieren zu lassen; Warum die Infantinnen und Infanten von Kleinwüchsigen umsorgt wurden und warum Magarita Teresa alle paar Jahre in unterschiedlich buntem Seidengewand in gleicher Pose von der Leinwand blickte; Warum die Kinderhände stets auf Stuhllehnen ruhten, was es mit dem realen Apfel in der einen Hand und dem Reichsapfel in der anderen Hand der „Zwergin“ auf sich hatte und warum der in den Adelsstand erhobene Hofmaler Velázquez zugleich hochgeschätzter Hofportraitist und Facilitymanager des spanischen Hofes war.
Noch schnell sehen wir bei den Kinderspielen von Pieter Brueghel (1B) und bei den manieristischen Kompositbildern von Giuseppe Arcimboldo vorbei (1A und 1C). Wir haben schon eine viertel Stunde überzogen und noch immer gibt es interessante Fragen, etwa zur Ameise auf der nackten Brust der schönen Flora. Manchen Kindern ist es nun aber doch schon langweilig, sind sie doch nicht am spanischen Hof erzogen;)
Schnell geht es wieder in Richtung Schule. Hier erlernen die Kinder im Deutschunterricht die Kunst der Bildbeschreibung und wenden sie bei den im Original erlebten Bildern an.
Siehe auch:
http://www.khm.at/fileadmin/_migrated/downloads/neu_daskind_72_Nov2011.pdf

 


 

Im Anschluss einige der Meister(werk)beschreibungen.

Bildbeschreibungen zu Velázquez

Die Infantin Magarita
Auf dem Ölgemälde von Rodríguez de Silva y Velazquez ist ein Mädchen zu sehen, ich schätze es drei Jahre alt. Es steht in einem Zimmer mit blauen Vorhängen, die rechte Hand hat sie auf einem Tisch mit blauem Tischtuch und Blumenvase gestützt. In der linken hält sie einen zusammengefalteten Fächer. Auf dem Boden liegt ein rot-schwarzer Teppich. Die Schuhe des Mädchens sind nicht zu sehen, denn die Infantin trägt ein bodenlanges Kleid.
Im Kontrast des Hintergrundes sticht das orange Kleid heraus, es ist reich gemustert. Damit das Mädchen nicht wie eine Karotte aussieht, ist ihr Oberteil silbergrau. Der Kragen ist schwarz, ihre Haare sind kupferfarben, die Augen braun.
In der Vase sind eine blaue, eine rote und viele weiße Blumen zu sehen, eine weiße Blume liegt auf dem Tisch. Vielleicht sind es ja Margariten.
Eigentlich ist dieses Bild unbeschreiblich.
(Moritz, 1B)

Infant Baltasar Carlos zu Pferd
Er war Hofmaler und hieß Diego Velázquez. Sein Gemälde kann man zurzeit im Kunsthistorischen Museum betrachten, es wurde in der Barockzeit zwischen 1634 und 1635 gemalt. Das Bild zeigt den jungen Infanten, der auf einem Pferd reitet.
Im Hintergrund sieht man Alpen und viel dichten Wald. Dabei wurden hauptsächlich die Farben Grün, Blau, Weiß und einige Brauntöne verwendet. Baltasar Carlos galoppiert durch die große weite Landschaft auf uns zu. Dabei wirkt er ein wenig hochnäsig, wegen seiner Haltung. Der Infant wird nächster König werden, das erkennt man an seiner Schärpe in Pink. Die pinkfarbene Schärpe trugen Soldaten, sie zeigte ihren Mut und dass man für das spanische Reich kämpfte. Um als kleines Kind auf einem Pferd zu reiten, braucht man Geduld und Liebe, wie ein König für sein Volk.
Mir gefällt das Gemälde. Von weit weg sieht es perfekt gemalt aus. Doch eigentlich hat Velázquez nur herumgekleckst.
(Fatima, 1B)

Infantin Margarita im rosafarbenen Kleid
Dieses Bild ist ein Portrait von Infantin Margarita und wurde 1654 von Velázquez gemalt. Das Bild hängt im Kunsthistorischen Museum in Wien.
Im Vordergrund des Bildes steht sie in einem rosa-weißen Kleid auf einem persischen Teppich. Sie legt ihre rechte Hand auf einen Tisch, der mit einem blauen Tischtuch, das bis zum Boden reicht, geschmückt ist. Auf dem Tisch steht eine Vase, aus der bunte Rosen ragen, zwei Blumenköpfe liegen daneben. Das Ganze spielt wahrscheinlich im Salon des Schlosses. Im Hintergrund des Bildes hängt ein dunkelgrüner Vorhang. Die dreijährige Infantin trägt ihre blonden Haare schulterlang. In der linken Hand liegt ein Fächer. Ihr Kleid ist prächtig und hat viele Rüschen.
Velázquez hat sehr genau und detailreich gemalt. Wenn wir uns das Portrait genau anschauen, wirkt die Infantin schüchtern.
(Flora und Livia, 1C)

Infantin Margarita im weißen Kleid
Das Gemälde zeigt die Infantin Margarita im weißen Kleid, sie ist gerade im sechsten Lebensjahr. Der Künstler heißt Velázquez. Wir haben das Bild im Kunsthistorischern Museum gesehen.
Magraita trägt eine rosa Masche in ihrem gelockten Haar. Die Prinzessin ist mit einem weißen Rüschenkleid gekleidet und sie trät eine schöne Brosche. Im Hintergrund sieht man einen roten Vorhang. Magraita hält die Spitzen ihres Kleides.
Die Farben, die der Künstler verwendete, sind Rosa, Schwarz, Rot, Weiß und Gelb.
Wir finden, die Prinzessin sieht sehr angespannt aus. Margarita schaut nicht so aus, als ob sie eine schöne Kindheit gehabt hätte.
(Johanna und Valerie, 1C)

Bildbeschreibungen zu Arcimboldo

Feuer1
Dieses Bild ist ein Portrait des Kaisers. Er wird als Herr des Feuers dargestellt. Das Gemälde entstand im Jahre 1566 und zeigt den Herrscher in einer Gestalt aus Feuer, Gold und Eisen. Der Künstler trug den Namen Giuseppe Arcimboldo.
Auf dem Haupt des Mannes sitzt eine beeindruckende Feuerkrone. Seine Stirn bildet eine Zündschnur, und Ohr und Nase sind aus zwei Feuereisen geformt. Die Oberlippe des Mannes besteht aus Stroh. Sein Kinn bildet eine goldfarbene Öllampe. Sehr vielfältig ist auch der Hals des Kaisers. Dieser setzt sich aus Fackeln und Goldgegenständen zusammen. Er trägt eine diamantenbesetzte Goldkette um den Hals. Gut versteckt erkennt man das österreichische Wappen. Das Portrait vollendete Archimboldo mit zwei Kanonen und einer Flinte als Brust. Insgesamt malte der Künstler das Bild in Gold- bis Brauntönen. Das Gemälde macht einen herrschaftlichen und wohlhabenden Eindruck.
Wir haben uns das Bild ausgesucht, weil wir das Feuer interessant finden. Außergewöhnlich ist auch, dass sich dieses Portrait stark von den anderen düsteren Gemälden, die wir im Kunsthistorischen Museum gesehen haben, unterscheidet, da es sehr lustig gemalt wurde.
(Lea und Elena, 1C)

Feuer 2
Auf dem Bild sieht man einen Mann, der aus Feuer, einigen Goldstücken und Feuerwaffen besteht. Der Maler dieses Gemälde heißt Arcimboldo. Das Bild wurde 1566 auf Lindenholz gemalt.
Die Haare des Gemalten bestehen aus flackerndem Feuer, seine Augen aus Kerzen, seine Nase und Ohren aus einem Stück Metall (nicht aus demselben Stück Metall), sein Mund aus Heu, unter dem eine Kerze brennt und sein gesamtes Gesicht ist aus einem einzigen Brocken geformt. Sein Hals wird aus einer großen, brennenden Kerze und ein bisschen Gold zusammengesetzt, um den Hals hängt eine wertvolle Kette. Die Schultern bestehen aus einem Kanonenrohr, worin ein großer Holzstab steckt und seinen Unterkörper ist aus einer Pistole, einer Basuka, und einem schön gravierten Smaragd geformt. Im Hintergrund sieht man eine schwarze Fläche.
Das Gemälde hängt im Kunsthistorischen Museum.
Das Bild wirkt positiv auf mich, auch wenn ich normaler Weise bei Feuer und Flammen an Zerstörung und Chaos denke.
(Nikolaus, 1C)

Der Winter
Auf dem Gemälde erkennt man einen grimmigen Mann, der den Winter verkörpert und vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen ist. Er wird von einer verzierten Strohdecke gekleidet. Aus seinem baumartigen, knorrigen Hals ragt ein kahler Ast heraus. An den Zweig sind eine Orange und Zitrone gebunden. Sein Mund wird von zwei Baumpilzen dargestellt. Auf seinem Hinterkopf sprießt dichter Efeu und aus seinem Vorderkopf ragen kahle Äste. Er hat kleine Schlitzaugen. Mit seinen großen, ungleichmäßigen Ohren hört er aufmerksam in die große weite Welt und seine Nase wird von einer großen Knospe dargestellt.
Das Bild wurde 1536 von Arcimboldo gemalt. man kann es im Kunsthistorischen Museum betrachten. Uns fällt zu diesem Bild sofort die kalte Jahreszeit ein.
(Jonah und Jannis, 1C)

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