Klasse Kochen Gehen

Schnittflächen von Kreisen berechnen, Natriumchloridlösungen in seine chemischen Bestandteile zerlegen und „pocher“ in allen Zeiten konjugieren – alles kein Problem für die 8a. Jedoch Zwiebel richtig schneiden, Nudelwasser kochen und Eier pochieren sind für so manche Schülerinnen und Schüler dann doch eine Herausforderung und dieser stellten sich alle an einem schönen, sonnigen Vormittag in Wrenkhs Kochsalon. Karl Wrenkh, der diese Möglichkeit des „Kochen Gehens“ neben seinem vegetarischen Restaurant am Bauernmarkt betreibt, ist der ideale Partner. Er verfügt nicht nur über hervorragende Kochkenntnisse, er war auch vor nicht allzu langer Zeit noch selbst Schüler der Stubenbastei und fand daher sofort Draht zu den Mädchen und Burschen der 8a.

Der Raum, in dem wir gemeinsam mit Unterstützung des Chefs und eines Assistenten gemeinsam kochen, ist hell und einladend. Verführerisch stehen die Zutaten schon mis en place, und während der Duft von frischen Kräutern einigen Mädchen ein „Aah“ entlockt, faszinieren Nicola und Virgil besonders die aufgereihten, makellos glänzenden Messer. Zuerst geht es ans Händewaschen, ach ja, dämmert es da manchem, das sollte ja vor jeder Kochaktivität stehen.

Nun denn, endlich glaubt man sich soweit, heißt es zuhören und genau zuschauen. Das erste Tutorial handelt nämlich von Lebensmittelkunde und den Abschluss bildet die Einführung ins professionelle Zwiebelschneiden. Trotz guter theoretischer Vorbereitung fließen Tränen, denn die Bildung von Thiopropidionaldehyd-S-Oxid lässt sich nur eingrenzen, wenn man schnell und glatt schneidet, aber wer von uns Amateuren will denn schon gleich seine Finger mit ins Ragout schnippeln, dann doch lieber den Kajal verrinnen lassen. Beim Schneiden der vielen Zutaten für dreierlei Pestos und Saucen und dem Gemüsebeet, auf das der Fisch gebettet werden soll, zeigen sich die verschiedenen Charaktere der Kochschülerinnen und – schüler besonders deutlich. Da gibt es die Genauen wie Julian, der jede Karotte in exakte Julienne schneidet und in diese, wären sie nicht schon so schmal, Muster schnitzen würde, die Leidenschaftlichen wie Mirjam, die beherzt alles schneidet, was ihr in die Hände kommt und die noch Unsicheren, die zuerst das Gemüse in alle Richtungen drehen, bevor sie mit spitzen Fingern das gute Stück stabilisieren, um es dann mit dem weitmöglichsten Abstand zwischen Messerklinge und Fingern zu halbieren.

Für die nächsten Schritte werden einzelne Gruppen gebildet, die jeweils für ein Hauptgericht zuständig sind. Jetzt benötigt es Teamgeist und Geduld, denn es heißt rühren und fürs Zugeben der einzelnen Zutaten den richtigen Moment abwarten, da sind passionierte Angler wie Moritz klar im Vorteil, während Pujan erstmalig sein Interesse für Technik entdeckt und den laufenden Pürierstab aus dem Topf hebt mit dem Effekt, dass die Hälfte des Pestos auf seiner Schürze landet. An einer anderen Kochstelle wird fleißig gebrutzelt, der Schuss zum Ablöschen fällt etwas großzügig aus. Ach so, man hätte nur ein 1/16 statt der ganzen Flasche Weisswein nehmen sollen! Hin und wieder müssen Karl und sein Helfer korrigierend eingreifen, aber abgesehen von ein paar Schnitzern machen sich die Schülerinnen und Schüler der 8A sehr gut am Herd und sie schwingen ihre Kochlöffel mit Freude.

Den gelungenen Abschluss bildet natürlich das gemeinsame Mahl. Neben verschiedenen Pasti mit raffinierten Pestos und Sugos kommt dampfender Fisch im Gemüsepapiermantel auf den Tisch und verschwindet sofort in den vielen hungrigen Mägen der 8a. Es wird gegessen, geplaudert, gelacht. Ein Vormittag des angewandten Biologie-, Chemie-, Physik- und Werkunterrichts geht im wahrsten Sinne des Wortes köstlich zu Ende und die Schülerinnen und Schüler nehmen mehr mit als ein paar Rezepte– die Erfahrung gemeinsamen Kochens und Essens und die Erinnerung an einen schönen lustvollen Vormittag als Klassengemeinschaft, bevor das Leben sie in alle Richtungen zerstreut.

Karl möchte ich als Klassenvorstand der bald nicht mehr 8a für die vergnügliche Vermittlung seiner Kochkenntnisse ganz besonders danken, quasi von Lehrerkollegin zu Lehrerkollege, und allen, die Lust auf ein unvergessliches gemeinsames Kocherlebnis haben, Wrenkh’s Kochsalon ans Herz legen.
http://www.wiener-kochsalon.com

Sieglind Gabriel, KV 8A

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