Diskussion mit Eva Glawischnig

Frau Dr Glawischnig versicherte gleich zu Anfang, dass Schülerdiskussionen „das Härteste seien“, denn anders als so oft in der Politik, müsse man Fragen direkt und ohne viel Geschwafel beantworten. Das scheint sie auch durchaus zu glauben, denn die Bundessprecherin der Grünen scheint ein wenig nervös – zumindest spielt sie gar oft mit ihren Haaren. Dabei hat sie doch Verstärkung mitgebracht- Julian Schmid, erst 23, aber bereits auf der Bundeliste der Grünen für die Nationalratswahl 2013. Durchaus positiv hervorzuheben ist Herrn Schmids Beteiligung an der Diskussion, denn bis jetzt hatten die Side-kicks der PolitikerInnen bloß im Hintergrund gestanden. Diese Gesprächsrunde kommt nur etwas schleppend ins Rollen – die SchülerInnen scheinen etwas sprachlos. Dr Glawischnig fragt also ihrerseits ein bisschen nach und schon bald tauchen die ersten Fragen auf.
Die Wehrpflicht-debatte wird noch einmal kurz zur Sprache gebracht, sie spricht sich vehement dagegen aus, kritisiert auch, dass die Volksbefragung als Vorwahlkampf missbraucht wurde. (Auf diesen Einwurf wollte Herr Strache vor ein paar Wochen beispielsweise nicht eingehen.) Sie betont, dass die ursprüngliche Idee der Grünen die Abschaffung des Heeres war, denn so meint sie auf einige Fragen, es lässt sich alles ohne ein Berufsheer regeln und einen Streit mit Waffengewalt zu lösen ist schließlich auch nicht legitim. Erfreut berichtet sie auch vom Wahlerfolg in Kärnten und nennt gleich ein paar Punkte, auf die jetzt dort mehr Wert gelegt werden soll: Der Klimaschutz, das Verkehrsticket um 350 € und die Bildungsbereiche sollen reformiert werden. Erwähnung letzteres rüttelte einige SchülerInnen wach – was für ein Konzept für Schulen hat sie denn im Kopf? Aufgrund von Austauscherfahrungen zu ihrer Schulzeit spricht sie sich für die Ganztagsschule aus. Auch die Gesamtschule ist ihr ein Anliegen, sie ist überzeugt dass diese das Niveau heben, und nicht wie viele befürchten, senken würde. Auch ein Modulsystem mit 60% Pflicht- und 40% Wahlfächern schwebe ihr vor – man solle sich viel mehr auf persönliche Stärken konzentrieren können. Bei diesen Worten müssen sich einige SchülerInnen an den Sesseln festklammern, um nicht jubelnd aufzuspringen – das gefällt natürlich! Vielleicht etwas weniger beliebt sind die Vorschläge täglicher Turnstunden, doch die Politikerin ist überzeugt, dass Gesundheit durch Sport eine wichtigere Stellung erlangen soll. Um Aufmerksamkeit in den Schulstunden zu garantieren, schlägt sie einen Schultag beginnend um neun vor. Das ruft geteilte Meinungen hervor- einige SchülerInnen schlafen wohl lieber die erste Stunde in der Schule, als zuhause. Auch die Position der LehrerInnen müsste gehoben werden- was ein guter Lehrer ist, darüber könne man sich streiten, doch sollte er eher die Position eines Coachs einnehmen. Pädagogen generell sollen eine bessere Stellung in der Gesellschaft erhalten – KindergärtnerInnen sollten beispielsweise dasselbe Gehalt bekommen wie AkademikerInnen.
Bildung ist den Grünen also ein wichtiger Programmpunkt. Was noch? Umweltpolitik, natürlich. Aber nicht nur in Österreich, wichtig sei vor allem, das Bewusstsein für Teile der Welt zu heben, wo der Klimawandel für verheerende Auswirkungen sorgt. Frauenpolitik und ja zur Frauenquote. Für die Korruptionsaufdeckung ist die Partei schließlich auch bekannt – vielleicht trägt Frau Glawischnig deshalb ja heute eine weiße Weste.
Die nächste Frage ruft allgemeine Belustigung hervor – wie stehen die Grünen zur Legalisierung von weichen Drogen wie etwa Cannabis? Die zwei am Tisch können sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, beantworten die Frage aber gewissenhaft. Sucht sei natürlich in keinem Fall etwas Gutes – doch momentan hat man den falschen Anhaltspunkt. Sucht ist eine Krankheit, kein Verbrechen. Tatsächlich ist die Legalisierung von Cannabis im Programm der Grünen schon einmal aufgeschienen, Herr Schmid erklärt aber, dass dies keine Priorität sei. Wichtiger ist der korrekte Umgang mit Suchtkrankheiten und eine „Entkriminalisierung“. Es sei einfach unsinnig wenn jungen Leuten das Leben versaut werde, wenn sie einmal Cannabis rauchen und dann später Probleme im Berufsleben haben, bloß, weil das in ihrer Personalakte aufscheint. Ein vernünftiger Ansatz.
Auch der WKR Ball- ein Lieblingsthema der StubenbasteischülerInnen, wird zur Sprache gebracht. Wie steht man dazu, lautet die Frage. Proteste, so meinen beide PolitikerInnen, seien immer legitim. Gewaltanwendung sei es nicht. Aber es gibt ein Demonstrationsrecht und von dem darf oder SOLL Gebrauch gemacht werden. Es bleibt bei der FPÖ – Dr Glawischnig betont, dass dem Rassismus auf den Wahlplakaten der Freiheitlichen unbedingt entgegengetreten werden muss, weshalb die Grünen auch einige der gravierendsten Beleidigungen auf Wahlplakaten angezeigt haben, oder etwa das Strache-Comic (das übrigens mit Bildungsgeldern finanziert wurde).
Als sich das Gespräch den Öffis, Radwegen und ähnlichen umweltverbundenen Themen zuwendet, fragt eine leicht skeptische Stimme, wie die beiden denn heute zur Stubenbastei gelangt seien. Gelassen erwidern sie „mit der U3“, was einigen Beifall seitens der SchülerInnen nach sich zieht. Die Bundessprecherin versichert auch schmunzelnd, dass sie keinen Porsche fährt, wie böse Zungen gerne behaupten, sondern einen VW Polo. Noch einmal kommt es zu einem Bildungsthema, wie halten die Grünen es denn mit den Studiengebühren? Prinzipiell sind sie dagegen, obwohl die Universitäten dringend Geld bräuchten. Dafür sollten aber trotzdem andere Maßnahmen ergriffen werden, schließlich soll es barrierefreien Zugang zu allen Bildungsinstitutionen geben.
Glawischnig und Schmid erhalten eine Runde Applaus. Eine Diskussion war es vielleicht nicht, aber eine Gesprächsrunde, die gegen Ende dann doch noch viele erhobene Hände zu sehen bekam. An ihrem Credo hat sie festgehalten – Fragen wurden fast alle ohne weites Ausholen beantwortet. Das natürliche Auftreten der beiden und die Art, zu den SchülerInnen nicht von oben herab, sondern als Gleichberechtigte zu sprechen, garantierten ein entspanntes und angenehmes Gespräch. Sie zwirbelt zwar zu oft an ihren Haaren, vielleicht ist sie aber auch nur ein wenig eifersüchtig auf die Lockenpracht ihres Kollegen oder möchte sich ein wenig kokett geben?

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.