Besuch im Parlament

An einem erstaunlich warmen März-Montag wurden wir Zeugen, dass das österreichische Parlament nicht nur die Bezeichnung für ein Gebäude ist. Denn es ist, wo auch immer sich unsere 183 Abgeordneten versammeln. Da das österreichische Parlament seit 4 Jahren generalsaniert wird, wurde es vorübergehend in die etwa 24 Hektar große Hofburg übersiedelt, wo einst alles begann. Neben der Nationalbibliothek, in einem Trakt, der zur Habsburgerzeit noch für Bälle gedacht war, schlägt derzeit das Herz der österreichischen Demokratie.

Dort werden allerlei Entscheidungen getroffen, die unser Leben beeinflussen. Von Corona-Maßnahmen bis hin zur Legalisierung von Bubatz werden dort Gesetze diskutiert und verabschiedet.

Wir wurden durch die prunkvollen hohen Säle des Traktes geführt. Zum Beispiel in den Plenarsaal, welchen wir alle aus dem Fernsehen kennen: Mit dem Rednerpult, dem riesigen Adler und dem Platz, an dem unsere Kanzler regelmäßig ihren Candy-Crush Rekord brechen.

Durch die Räume, in denen an Versammlungstagen Abgeordnete essen, Interviews geben und diskutieren, spazierten wir an jenem Montag. Die Führung brachte uns von der Cafeteria, zum Sitzungsraum, bis zu einer Diskussion mit zwei Abgeordneten. Die NEOS-Sprecherin für Bildung und Wissenschaft, Martina Künsberg-Sarre und die Bildungssprecherin der Grünen, Sibylle Hamann gewährten uns einen Einblick in ihre Motivation hinter dem „Abgeordneten da sein“, aber auch in die Schwierigkeiten und Frustrationen, die die direkte Anteilnahme an der Demokratie mit sich bringen. Weiteres lernten wir über die Bezahlung von Abgeordneten, die sich mit etwa 9.375,70€ Brutto durchaus sehen lässt.

Um unsere eigenen demokratischen Fähigkeiten zum Abschluss auf die Probe zu stellen, stürzten wir uns selbst ins Geschehen und nahmen an einer Debatte gegen Vertreter der Vienna Business School teil. Die Debatte wurde von einem Mitglied des Wiener Debattierklubs geleitet. Die Stubenbasteiler vertraten die Meinung, dass Soziale Medien förderlich für die Demokratie sind. Unsere Gegner sind unterdessen überzeugt davon, dass diese schädlich für die Demokratie sind. Argumente haben sie genug, bei all dem Hass im Internet, Echokammern, Fake-News, Cyber-Bullying und Catcalling.

Wie zu erwarten, haben sich allerdings die Stubenbastei-Profis gegenüber den Businessmännern durchsetzen können – nicht zuletzt, weil sich NEOS-Sprecherin Sarre, als freie Rednerin auf unsere Seite schlug. Als stolze Sieger wollten wir aus dem Parlament schreiten, aber ein politisch motiviertes Attentat hat uns aufgehalten. Im Stiegenhaus hat man uns als Geißeln gehalten, doch letzten Endes konnte uns der Hausmeister befreien und somit genossen wir die letzten Sonnenstrahlen.

Herbert, Dominik, Shervin und Amin

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