Multimediales Arbeiten zum Themenfeld „Musik und Gender“ der 6. Klassen

  • UNESCO-Projekttage
  • „Gender-Talks“
  • Musikvideo-Dreh mit Regisseurin

Nachdem Musik(stars) ein wichtiger Einflussfaktor sind und oft als Vorbilder und Identifikationsmöglichkeiten für die eigene Gender-Performance von Jugendlichen gelten, war es mir wichtig, einen thematischen Schwerpunkt zu „Doing Gender und Performativität“ in meinen Musik-Unterricht der 6. Klassen zu setzen und dabei explizit auf die dargestellten Geschlechterstereotype im Musikvideo und deren Einfluss auf die Geschlechteridentitätsentwicklung von Jugendlichen einzugehen.

Im Hinblick auf die Herausbildung geschlechtersensibler Medienarbeit wurde im Musikunterricht zunächst auf das Männer- und Frauenbild besonders in der Pop-Musik, aber auch im Heavy Metal eingegangen. Es wurden hier aktuelle Musikvideos beispielhaft herangezogen, um die große Bandbreite von Darstellung von Weiblichkeit, Aggression, von hegemonialer Männlichkeit und Homophobie sowie tradierten Rekonstruktionen von Geschlechterrollen als auch Gegenkonzepte (Queer-Theory) als bewusste Dekonstruktion einer bildlichen sowie sprachlichen Analyse zu unterziehen.

Der geschlechtertheoretische Diskurs ist vielfältig und hat auch in diesem Jahr diverse Veranstaltungen mit sich gezogen. Das Institut für Kulturmanagement und Gender Studies der Universität für Musik und darstellenden Kunst Wien bot im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gender Talks“ in diesem Zusammenhang einen Präsentationsabend an, der sich dem Thema „Männerbilder in der österreichischen Popularmusik“ widmete. Interessierten SchülerInnen der 6. Klasse wurde im Rahmen eines Lehrausgangs zu dieser besonderen Veranstaltung die Möglichkeit geboten, einer Präsentation der Abschlussarbeit eines Absolventen der MDW gratis beizuwohnen, den aktuellen Forschungsstand zu diesem spannenden Thema zu erfahren, Fragen in der anschließenden Diskussion. Im Sinne der Cultural Studies als Feld einer dynamischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen eröffneten sich den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern die  Welt der österreichischen Popmusik, die vielfältigen Darstellungsweisen von Geschlecht und deren Konstruktion als auch Dekonstruktion mittels des Formats von Musikvideos. Als musikalischer live-Act des Abends performte die Wiener A-cappella-Formation „Das wird super“ verschiedenste Nummern. Der Abend wurde seitens der Jugendlichen sehr positiv angenommen, sie beteiligten sich sehr interessiert und rege an der Diskussion. Erwähnenswert ist vielleicht auch die Tatsache, dass wir die einzige Schule waren, die dieses doch sehr spezielle Angebot in ihrer Freizeit angenommen hatte.

Die praktische Umsetzung dieses Themas erfolgte im Rahmen der vom 29./30.01.2020 stattfindenden Unesco-Projekttage. Für 15 interessierte Schülerinnen und Schüler der 6 A/B/C hieß es Bühne frei für einen filmischen Jugendworkshop samt Digital Film Making.

An diesen zwei Projekttagen wurde unter professioneller Anleitung der Filmemacherin Lisa Truttmann (seit 2017 Lehrbeauftragte an der Universität für Angewandte Kunst Wien, Transmediale Kunst) ein Musikvideo produziert, das auf der Homepage hochgeladen wurde.

Herzstück des Ganzen war die filmische Realisierung des Songtextes, den wir im Vorfeld in Kleingruppen erarbeitet haben. Wir filmten im Musiksaal, im Stadtpark, in der Schulbibliothek sowie am Stiegenaufgang. Auf dieser Entdeckungsreise drückten die Schülerinnen und Schüler mittels eines „Film-Produktion-Musikvideos“ ihre persönliche (Protest)note aus und stellt die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt dar.  

Jungen und Mädchen konnten andere Identitäten erproben, präsentieren und ihre Ansichten artikulieren. Das Arbeiten mit dem Medium Film bot den Jugendlichen einen Experimentierraum und eine Spiegelfläche. Beim Produzieren eines eigenen Musikvideos konnten Entwürfe vom Selbst und Überschneidungen mit medialen Geschlechterbildern erkannt und neue Selbstinszenierungen und -positionierungen durchgeführt werden. Innerhalb des Prozess des „doing gender“ konnten wir uns auch mit den gesellschaftlichen Vorstellungen und ihrer eigenen Geschlechtsidentität auseinandersetzen und neue Möglichkeiten austesten. Relevant ist in diesem Prozess auch die bewusste Einbeziehung des eigenen Körpers. Im Rahmen dieser musikanalytischen und praktischen Arbeit wurde im Musikunterricht Mediengestaltung mit Medienkritik verbunden und eigenkreativ gearbeitet.

Im Namen der 6. Klassen
Mag.a Idil Gönenli

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