Interview mit DI Dr. Norbert Frischauf im Rahmen des Astronomie-Projekts der 7B

Von Julian Michlmayr und William Rachnaev

„Herr Doktor Frischauf, herzlich Willkommen an unserer Schule! Uns ist es eine große Ehre, Sie heute als maßgeblichen Wissenschaftler des bemannten Marsprojekts der ESA hierhaben zu dürfen. Sie haben Ihre Ausbildung als Physiker in Graz und Wien gemacht und sind nunmehr seit 20 Jahren Wissenschaftler, unter anderem in so bedeutenden Einrichtungen wie CERN oder der ESA. Neben zahlreichen Publikationen gestalten Sie auch Ihre eigene Wissenschaftssendung „Energie und Physik“ für den ORF, weshalb wir Sie zu Beginn gerne fragen würden, wie Sie denn überhaupt zur Physik gekommen sind, beziehungsweise was die maßgeblichen Einflussfaktoren für Ihre Berufswahl gewesen sind?

„Zur Physik bin ich ganz leicht gekommen, indem ich mit vier oder fünf Jahren meinem lieben Nachbarn Max in die Hände gelaufen bin, der ein großes Teleskop, ein Apollo-Raumschiff und eine Mondlandefähre als Modell gehabt hat. Er hat mich unter seine Fittiche genommen und ich habe mit ihm Sterne geschaut, am Apollo-Raumschiff gebastelt und bis zu meinem fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr ständig mit ihm zu tun gehabt und immer wieder mit ihm über Philosophie, Astronomie und Raumfahrt diskutiert. Schlussendlich war dann irgendwann der Weg für mich vorgezeichnet. Und die Chance, Astronaut zu werden, ist natürlich relativ gering, denn so viele Jobs gibt es da leider nicht. Aber man kann sich ja in die Wissenschaft einbringen und trotzdem in der Raumfahrt tätig sein, und diese Chance habe ich dann eben irgendwann ergriffen“.

„Herr Doktor, Sie haben sich mit der Machbarkeit der bemannten Raumfahrt zum Mars auseinandergesetzt. Könnten Sie daher kurz schildern, womit Sie sich im Zuge des Marsprogrammes AURORA der ESA beschäftigt haben und was Sie daran am meisten fasziniert hat.“

„Also besonders interessant an der ganzen Geschichte ist, dass die bemannte Raumfahrt zum Mars unglaublich komplex ist. Wir benötigen sehr viele Technologien, wir müssen über sehr viel Wissen verfügen, und eigentlich kann es sich keine Nation leisten, all das Nötige selbst zu machen, zumal wir momentan mit Kosten von über 200 Milliarden Euro rechnen. Das heißt wir müssen das zusammen lösen. Und jeder wird dazu einen kleinen Teil beitragen, also werden sich die Russen vielleicht um die Energiesysteme kümmern, die Amerikaner um die Kommandozentrale und so weiter. Wie auch immer, wir schweißen es dann nachher zusammen und versuchen aus den ganzen Technologien, die wir bekommen und entwickeln müssen, ein Raumschiff zu formen, das wir dann eben bauen müssen. Und vorher müssen wir ganz viele Missionen durchführen, um das ganze nötige Wissen zu erlangen und die Technologien zu testen.“

„Jetzt zu einem anderen Gebiet, zum CERN. Wir haben gehört, dass sie am CERN waren oder noch dort sind und wir wollten wissen was genau Ihre Aufgabe dort ist.“

„[…] Also ich bin ein Gastwissenschaftler, so nennt sich das offiziell. Ich bin CERN-Staff also einer von den CERN-Angehörigen, hab meine eigene CERN-Adresse, darf auch ins CERN rein. Ich betreue zwei Experimente mit. Ich bin aber nur dazu da, nicht die Daten auszuwerten, sondern im Notfall, wenn etwas kaputt ist, meinen Kollegen unter die Arme zu greifen und den Detektor zu reparieren. Das CERN ist ein bisschen so wie die Raumfahrt. Der Beschleuniger rennt Jahr ein Jahr aus durch, ein zwei, drei Jahre im Stück. Die Detektoren, die da drinnen sind dürfen nicht kaputt werden. Weil wenn sie kaputt werden, dann verlieren wir die Wissenschaft. Und wenn sie so kaputt werden, dass sie andere kaputt machen, dann ist das der „Super Gau“. […] Also müssen wir sie so bauen, dass sie brav Wissenschaft liefern, aber dass sie auch stabil laufen, weil wir kommen nicht an sie heran. Man kann jetzt nicht unten hineingehen, da ist die Strahlung viel zu hoch. Das überlebt man nicht. Wir können die Sachen immer nur alle paar Jahre reparieren, wenn der Beschleuniger abgeschaltet ist. Dann haben wir ein zwei Jahre Zeit um etwas zu reparieren. Dann wird er ausgetauscht, neueingebaut und dann läuft er wieder zwei, drei Jahre.

Ich bin am CERN seit 1994. Dort habe ich angefangen als Student […] und hab geholfen einen Detektor zu reparieren, der vorher nicht funktioniert hat. Dann habe ich meine Diplomarbeit an einem zweiten gemacht und seitdem beschäftige ich mich damit. […].“

„Und wie wird am CERN gearbeitet? Arbeitet man alleine oder arbeitet man in verschieden Gruppen, also zu viert zum Beispiel?“

„Viel Größer. Das sind riesengroße Kooperationen. […]. Also wenn dort einer den Nobelpreis bekommt, so wie Carlo Rubbia, dann bekommt er ihn stellvertretend für tausende von Leuten. Das ganze CERN bekommt ihn im Endeffekt. Das geht gar nicht, weil in so einem großen Detektor […] an die sechzig-siebzig Experimente stattfinden. Hinter jedem dieser Experimente stehen an die hundert Wissenschaftler und die müssen alle zusammenarbeiten. […]“

 

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