Eine fächerübergreifende Projektwoche vom 1. bis 8. März 2005 in der 4B:
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Leitung: Mag. Klaus Huber & Mag. Regina Erdinger
Fächer: Geschichte/ Deutsch
Ort: Wien/ Mauthausen
Layout: A. Kareva, V. Trautmann
Dienstag, 1. März:
Der erste Tag unserer Projektwoche beginnt nicht schön: Wir sehen den Ausschnitt eines Filmes über die Befreiung des KZ Bergen-Belsen. Das sind grauenhafte Bilder!
Nach einer kurzen Pause geht es weiter über das Schulwesen in der NS-Zeit. Hunderte jüdische Kinder werden von ihren Schulen geholt und zusammen in eigene Schulen gebracht. Wir hören über Propaganda: Gebete für Hitler, überall im ganzen Land Geburtstagsfeiern für ihn. Selbst den Volksschulkindern wird schon eingebläut: Hitler ist gut, er will das Beste, gib deinen Körper deinem Volk. Für die Mädchen und jungen Frauen hieß das: „Bring so viele Kinder auf die Welt, wie nur möglich und am besten Jungen, die taugen mehr.“ Denn die Buben hatten „die Pflicht, ihren Körper gesund zu halten, um später dem Volk als kräftiger Soldat zu dienen“.
Am Nachmittag machen wir einen Rundgang auf der Mazzesinsel (2. Bezirk). Wir schauen uns Reste der Ghettomauer an, ehemalige Sammellager, Synagogen, Gebäude aus dem jüdischen Alltag.
(Nicole Jurjew)
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Mittwoch, 2. März:
Am 2.März kam Dr. Jonny Moser, ein Zeitzeuge, zu uns. Er erzählte uns seinen sehr beeindruckenden, aber traurigen Lebenslauf. Traurig deshalb, weil er nur aus dem Grund, dass er jüdisch ist, unter den Nationalsozialisten aus seinem Heimatland vertrieben worden ist. Und beeindruckend, weil er trotz all dem, was ihm die Nazis angetan haben, keinen Hass auf sie hat. Aber ich und die meisten anderen, die seine Geschichte gehört haben, schon. (Julia Kauer)
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Donnerstag, 3. März:
Am Donnerstag gingen wir in das Votivkino. Wir sahen den Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“. Es ging um eine junge Frau, die im Untergrund tätig war. Gemeinsam mit ihren Freunden und ihrem Bruder, Hans Scholl, verteilten sie Flugblätter gegen das NS-Regime in der Universität. Sie wurden dabei erwischt. Kurz darauf wurde ihnen der Prozess gemacht, sie wurden verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Der Film war sehr traurig und gab viel Anlass, über die Zeit, in der die Nationalsozialisten an der Macht waren, nachzudenken.
(Babsi Glatz)
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Freitag, 4. März:
Im Zuge unserer Projektwoche über die NS-Zeit besuchten wir auch das ehemalige KZ Mauthausen in Oberösterreich. Nicht nur Frau Erdinger und Herr Huber gaben uns dazu Informationen, sondern wir wurden an diesem Tag von Mag. Martin Krist, einem Historiker, begleitet. Im KZ Mauthausen waren von 1938 bis 1945 an die 200.000 Menschen aus über 30 verschiedenen Ländern in Haft, etwa die Hälfte wurde dort ermordet. Viele Häftlinge starben beim Abbau von Granit. Dabei mussten sie die sogenannte „Todesstiege“, die das KZ und den Steinbruch verband, hinauf- und hinuntergehen. Viele von diesen Häftlingen starben beim „Fallschirmspringen“, einer weiteren Grausamkeit der SS. Dabei wurden die völlig abgemagerten Männer von einer 50 Meter hohen Felswand nahe der „Todesstiege“ gestoßen. In Mauthausen waren verschiedene Gruppen inhaftiert: politische Häftlinge, Bibelforscher, Homosexuelle, Juden, sowjetische Kriegsgefangene, Roma und Sinti u.a. Mauthausen ist das einzige ehemalige Konzentrationslager, in welchem jede betroffene Gruppe und Nation ein Denkmal errichtete. Es ist furchtbar zu sehen, welche Methoden die Nazis angewendet haben, um die Häftlinge einzuschüchtern, zu quälen und zu ermorden. (Paul Iby)
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Samstag, 5. März:
Am Samstag kam Kurt Krickler, der Vorsitzende der HOSI (Homosexuelleninitiative) zu Besuch. Obwohl er selbst die Nazi-Zeit und die damalige Verfolgung der Homosexuellen nicht miterlebte, erzählte er uns doch viele erschreckende Details darüber. Besonders anschaulich erklärte er uns die unfaire Behandlung der homosexuellen Naziopfer nach dem Krieg. Nicht einmal zur Pension wurde ihnen ihr KZ-Aufenthalt angerechnet, sie wurden als „normale“ Verbrecher angesehen. Schließlich gab es ja schon lange vor den Nazis in Österreich ein Gesetz zum Verbot der Homosexualität.
Zum Glück wurde das inzwischen aufgehoben - aber Wiedergutmachung für die (wenigen noch lebenden) Opfer gibt es bis heute nicht.
(Anna Nessmann)
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Montag, 7. März:
Das Thema des heutigen Tages war die „NS-Medizin“, vor allem die Vernichtung von Menschen in „Pflegeheimen“ wie zum Beispiel Schloss Hartheim oder am Spiegelgrund. Bei unserem Lehrausgang erfuhren wir, dass am Spiegelgrund nicht nur behinderte Kinder getötet, sondern auch „schwererziehbare“ oder „asoziale“ Jugendliche eingesperrt wurden. Mit etlichen von ihnen wurden Versuche gemacht und wenn sie daran starben, wurden sie seziert. Mindestens 789 Kinder und Jugendliche starben hier zwischen 1940 und 1945. Einer der dort tätigen Ärzte, Dr. Heinrich Gross, wurde bis heute nicht zur Verantwortung gezogen und verurteilt.
(Lukas Hackenberg)
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Dienstag, 8. März:
Am letzten Tag unserer Projektwoche besuchte uns Dagmar Ostermann und erzählte uns aus ihrem Leben: Frau Ostermann kam 1920 in Wien zur Welt. Ihre Mutter war zum Judentum konvertiert, um ihren Mann heiraten zu können. Somit ist Dagmar Ostermann ebenfalls Jüdin. Nach der Scheidung ihrer Eltern 1924 lebte sie allein mit ihrer Mutter, bis diese 1931 neuerlich einen jüdischen Mann heiratete.
Die nächsten Jahre ihres Lebens verbrachte Frau Ostermann zum Großteil bei ihrer Großmutter in Dresden. Dort wurde sie wegen unerlaubten Telephonierens und Kontakts mit „Ariern“ eingesperrt und zuerst nach Ravensbrück und in weiterer Folge nach Auschwitz-Birkenau deportiert.
Dort wurde sie durch großes Glück als Schreibkraft eingesetzt. In dieser Position genoss sie einige „Privilegien“, die den anderen Häftlingen verwehrt blieben. So durfte sie an ihre Mutter Briefe schreiben, sich waschen und hatte eine bessere Unterkunft. Ihre Mutter war von den Verfolgungen nicht betroffen, da sie als Arierin galt. Ihr Vater wurde, wie Frau Ostermann später erfuhr, in Auschwitz vergast.
Kurz vor Kriegsende wurde sie noch einmal, gemeinsam mit 1000 anderen Frauen, nach Ravensbrück verlegt, dann nach Malchow, von wo sie nach der Befreiung zu Fuß nach Wien zurückkehrte.
(Oskar Kohout)
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