Historische Entstehung
Blickt man auf die Geschichte des Schuhplattelns, so lässt sich gleichsam als archimedischer Punkt die Vorführung des Tanzes vor Maximilian II. auf dessen „Reise durch das Bayrische Gebirge“ im Jahre 1858 anführen, auch wenn mit diesem Jahr sicherlich nicht die Geschichte festzumachen ist, weil alle Tanzformen historische Vorläufer haben. In weiten Kreisen Österreichs und des Auslands gilt der Schuhplattler als Inbegriff tirolerischen Tanzens. Aber nur in einem kleinenTeil des Landes – im Unterinntal, Zillertal, Pustatal, Eisacktal, Sarntal, Passeiertal und deren Nebentäler – lässt er sich auf alte Überlieferung, ohne vereinsmäßige Pflege, zurückführen.
Er war dort Werbetanz, bei welchem der Bursch gelegentlich seine Tänzerin umkreiste, und dabei seine Geschicklichkeit und seine Kraft durch improvisierte Plattlerfiguren zur Geltung brachte.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er mehr und mehr zu einem Schautanz. Er bekam einen einheitlichen Eingang und eine feststehende Figurenfolge, in welchem sich die Tänzer nicht mehr um die Gunst des Mädchens, sondern um den Beifall der Zuschauer bemühten.
So ist bis heute zwischen „Schuhplattlertanz“ – wo ein Plattler in das ländlerische oder steirische Tanzen eingebaut wird, und dem „Schuhplatteln“ der Burschen zu unterscheiden. Die Bezeichnung „Schuhplattler“ für das gemeinsame Platteln mehrer Burschen ist erst seit 1850 belegt. Es wird aber nicht nur auf die Schuhe geschlagen, sondern auch auf die Oberschenkel, es wird in die Hände „gepascht“, mit den Füßen „gestampft“, hochgesprungen und niedergekniet. Der Schuhplattlertanz vereinigt mehrere Tanzsymbole.
Der Schuhplattler verlangt von den Tänzern Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und rhythmisches Gefühl. Bei richtiger Ausführung schlägt der Tänzer mit den Füßen gegen die Hände und erhält so die geforderte aufrechte Körperhaltung. Mehrere Einzelschläge bilden oft übergeordnete Einheiten, aus welchen sich die Plattler aufbauen. Zum Umgang stecken die Tänzer in Tirol die Hände mit dem Daumen hinter die Hosenträger oder in das Armloch der Weste.
Wenn auch heutzutage das Schuhplatteln schon von Mädchengruppen ausgeführt wird, sollte man aber auf den Ursprung des Tanzes zurückdenken. Es ist ein Werbetanz für die Mädchen und sollte deshalb nicht von Mädchen ausgeführt werden!!!
Der Tanz ist wie die Sprache und das Lied auf früher Kulturstufe entstanden, und hat sich im Laufe der Zeit mannigfach gewandelt. Im Volkstanz liegt etwas Verbindendes; er lässt keinen Standesunterschied aufkommen. Volkstanzpflege ist daher bewusste praktische Arbeit an der Gemeinschaft, am Volke.