Sprach- und Kulturreise der 7B nach Sankt Petersburg

31. Mai bis 13. Juni 2003

Anreise

Auf Grund der 300-Jahr Feier in St. Petersburg war es für uns, 14 SchülerInnen und unsere LehrerIn, Frau Prof. Erdinger und Herr Prof. Rehling,
nicht möglich, einen direkten Flug zu buchen, weshalb wir die Anreise über Helsinki wählten. Vor dem Abflug mit der angeblich sicheren Finnair
(laut Felix) vom Flughafen Schwechat durften wir live die Reparaturarbeiten an unserem Flugzeug miterleben. Als danach laut Pilot alles wieder
"quite okay" war (sehr aufmunternd), starteten wir Richtung Finnland.

Nachdem wir trotz turbulenten Flugs heil in Hel­sinki angekom­men waren, hatten wir einige Stun­den Zeit, um die Stadt zu erkun­den. Diese nützten wir für die Be­sichtigung des Doms und des Senatsplatzes, für einen Spaziergang zum Meer und für eine Rundfahrt mit der Straßen­bahnlinie "3T", die uns an allen sehenswerten Plätzen der finnischen Hauptstadt vorbei führte.

 

Nach ewiglangem Suchen fan­den wir einen Supermarkt, in dem wir uns mit dem Nötigsten zu erschreckend hohen Prei­sen versorgten. Die letzten Stunden vor der Abreise mit dem Bus, der uns über Nacht nach St. Petersburg bringen sollte, überbrückten wir in dem Kaffeehaus "Wayne's Coffee“. Um 23 Uhr stiegen wir schließlich in den Bus ein. Viele von uns konnten während der Fahrt sogar schla­fen, wurden aber mitten in der Nacht bei der Grenzkontrolle aufgeweckt, bei der alle den Bus verlassen und diverse Formulare ausfüllen mussten. Bei der Ankunft in St. Petersburg um 7 Uhr in der Früh wur­den wir schon von Kleinbussen und zwei Mitarbeiterinnen der Sprach­schule erwartet, die uns zu unseren Gastfamilien brachten.

Inanna Reinsperger

Die Unterkünfte

Anfangs dachten wir daran, in einer Jugendherberge zu wohnen, doch aus preislich bedingten Gründen wurden wir dann doch bei Familien untergebracht. Der Vorteil davon war, dass man erfahren hat, wie die durchschnittlichen Einwohner Petersburgs leben: jeweils zu zweit oder zu dritt wurden wir Familien  „zugeteilt“, die alle in einem typischen Plattenbau wohnen. Das Wohnviertel befand sich etwas außerhalb des Stadtkerns auf der Vasilevskij – Halbinsel.

Zunächst mussten wir uns etwas an die Umstände gewöhnen, unter denen unsere Gastgeber wohnen – der Unterschied zum westlichen Teil Europas ist eben doch ein großer! Aber letzt­endlich war es gut, bei Russen zu wohnen, da wir „hautnah“ erleben konnten, wie man in die­sem Land lebt und weil man mit wesentlich mehr Wissen zurückkehrt, als hätte man nur die schön herausgeputzten Seiten Petersburgs gesehen.

Johanna Summereder

Tagesablauf:

Treffpunkt für alle war fast jeden Tag um 9 Uhr (mehr oder weniger pünktlich) vor dem Haus, in dem der Großteil der Gruppe wohnte. Von dort aus machten wir uns mit der Metro auf den Weg in die Schule und hatten von 10 bis 14 bzw. 14:30 Uhr Unter­richt. Nach dem Mittag­es­sen in der Kan­tine der Sprachschule gab es oft noch eine Be­sprechung mit unse­ren Lehrern be­züg­lich des Programms für den Nachmittag und dann begannen wir auch schon un­sere ver­schie­denen Besichtigungs­touren. Nach ei­nem abschließen­den Einkauf im 24 Stun­den – Su­permarkt bei „unserer“ Metrostation waren wir meistens um 20 Uhr, pünktlich zum Abendes­sen, in unseren Familien, zu Hause.     I.R.

 


Abreise

Der Tag unserer Abreise war Freitag, der 13.06.03, eine Tatsache, die bei manchen (abergläu­bischen) Leuten für gemischte Gefühle sorgte. An diesem Tag hieß es früh aufstehen: um 6:10 sollten alle samt Gepäck vor ihren jeweiligen Häusern gestellt sein, wo schon Minibusse auf uns warteten, um uns zum Bahnhof zu bringen. Aufgeweckt durch die laute Popmusik im Bus kamen wir im strömenden Regen am Finnländischen Bahnhof an, in dessen Warteraum wir die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges überbrückten. Dieser brachte uns dann in 5-stündiger Fahrt nach Helsinki. Viel zu früh kamen wir am Flughafen an, checkten ein und verbrachten die restliche Zeit im Kaffeehaus mit Kartenspielen, bis wir schließlich in unser Flugzeug einsteigen konnten. Der Rückflug war angenehmer als der Hinflug, leider aber auch länger: Wegen eines Gewitters mussten wir mehrere Runden über Wien drehen, bis wir landen konnten und deshalb kamen wir mit eineinhalb Stunden Verspätung in Schwechat an, wo uns unsere Eltern schon freudig erwarteten....

Inanna Reinsperger 

Unterschiede

Der wahrscheinlich größte Unterschied zu Wien ist- wenig überraschend- die Sprache. Wäh­rend wir in Helsinki we­nigstens noch die Straßenschilder buchstabieren und uns über Weg­weiser zum „Tennispalatsi“ amüsieren konnten, herrschte bei der An­kunft in St. Petersburg beim nicht-russi­schen Teil der Klasse vor allem eines: Ratlosigkeit. Zwar hatten wir uns vor­her schon (die einen mehr, die anderen weniger) mit dem russischen Alphabet auseinanderge­setzt, aber in der Praxis haperte es dann doch ein wenig- versu­chen Sie einmal, sich zu mer­ken, das H als N zu lesen und ein umgedrehtes N als I. Hört sich nicht so schwer an, kann einen aber bei Wörtern wie „Ingenieur“ kann schön aus dem Konzept bringen. Nach ein paar Ta­gen Russischunterricht war zwar dieses Problem mehr oder weniger beseitigt, aber unser Wort­schatz sollte sich in den folgenden zwei Wo­chen nicht besonders vergrößern, was die Kom­munikation in Russ­land, zumindest bei mir, auf folgende Wörter und Phrasen be­schränkte: Guten Tag, Auf Wiedersehen, Guten Morgen, Guten Abend, Essen, Schlafen, we­nig, viel und...Tee (in Gesprächen mit der Gastfamilie, zum Glück konnte der ältere Sohn Englisch.) beziehungsweise „Wie viel kostet das?“, die Zahlwörter von eins bis 1000 (mit ei­niger Mühe), „ja“, „nein“, „nein, danke“ und „teuer“ (beim Handeln mit Souvenirverkäu­fern.).

Erschwert wurde das Ganze noch dadurch, dass in Russland sehr wenig Leute Englisch spre­chen, wenn überhaupt, dann die jüngeren, was dazu führte, dass die russischen Muttersprach­ler aus unserer Klasse in Petersburg noch einen unbezahlten, anstrengen und intensiven Ne­ben­job ausüben durften: Dolmetscher bzw. Mädchen für alles, das heißt Zigaretten kaufen, Essen kaufen, mit den Souvenirhändlern feilschen, die Gastfamilien darüber aufklären, dass Nudeln mit Butter, in einer reichlich gefetteten Pfanne gebraten und mit Butter garniert, für uns ein doch recht ungewöhnliches Frühstück darstellen, etc.

Und eben diese Nudeln bringen mich hastdunichtgesehen zu noch einem großen (oder viel­leicht auch nicht) Unterschied zwischen Russland und Österreich. Wir wissen: Traditionelles österreichisches Essen lässt den Cholesterinspiegel vor Freude in die Höhe schnellen. Wir wissen auch: Der Österreicher trinkt gerne und viel Bier. Und ich weiß jetzt, nach zwei Wo­

chen bei einer ganz normalen St. Petersburger Familie: Wir müssen auf dem Gebiet des Un­terbringens von soviel Fett wie möglich in einer Hauptmahlzeit noch viel lernen. Und: Der Russe trinkt noch viel lieber und noch viel mehr Bier. Ich bitte das jetzt nicht auf unsere Gast­familie zu beziehen, die hatte wahrhaftig Besseres zu tun als sich zu betrinken. Aber die zahllosen Flaschen, die am Morgen wirklich überall auf der Straße herumstehen, der nette junge Mann, der um neun Uhr am Morgen in der U-Bahn neben mir sein Bier mit den Zähnen zu öffnen wusste, und die vielen Betrunkenen, die auch schon (oder noch) am Morgen am Bier nuckeln, sprachen doch eine recht deutliche Sprache.

Und zwar unter anderem die, dass das Leben in Russland doch um einiges härter ist als hier, was wir auch gleich am Morgen unserer Ankunft erfuhren. Das Erste, was ich von St. Peters­burg um halb sechs in der Früh, nach einer siebenstündigen Busfahrt von Helsinki aus sah, war die Miliz, die sich wegen der anwesenden Staatsbesuche an den Einfahrten und Kreuzun­gen der Stadt mit Maschinenpistolen stationiert hatte. Auch eine Form der Begrü­ßung! Das Zweite, in den äußeren Bezirken, unzählige, hässliche Platten- und, je näher der Bus dem Zentrum kam, ebenso viele Prachtbauten. 

Und das Dritte, nach­dem wir von einer hektischen Angestellten der Sprachschule in zwei Kleinbusse verla­den worden wa­ren, “unser“ Haus. Das von der Vertrete­rin der Sprach­schule während der Bus­fahrt als „big beautiful building“ ange­priesene Hoch­haus nahe der Metrosta­tion Primorskaja. Und da war es dann. Um sieben Uhr in der Früh. 23 Stock­werke hoch. Grau. Aus Be­ton. Auf Betonstel­zen. Inmitten lauter ande­rer Wohnblöcke. Und potthässlich. Und wenn man in Wien von einem Aufzug erwar­ten darf, dass er solche Acces­soires wie Licht­schranken, funkti­onierendes Licht und einen stabilen Boden besitzt, so trifft man in der No­vosmolenskaja #6 auf Lifte mit Türen, die sich auch dann schlie­ßen, wenn sich kleine Hunde zwischen ih­nen befinden, ohne Licht, aber dafür mit Bodenblechen, die sich eindrücken las­sen, inklusive ei­nem Spalt, durch den man, bei Bedarf, 23 Stockwerke in die Tiefe blicken kann... 

Ich muss sagen, der Kulturschock war nach dieser Ankunft doch recht heftig, so etwas musste auch erst einmal verdaut werden, wir hatten uns doch ein etwas besseres Quartier vorgestellt. Und auch die Wohnungen, in denen wir die nächsten zwei Wochen hauptsächlich schlafen sollten (wir waren nie vor acht Uhr abends aufgrund wirklich intensiver Stadtbe­sichtigungen zuhause), zeigten, dass es uns im „Westen“ doch ein ganzes Stück besser geht und dass ein erheblicher Unterschied im Lebensstil der Mittelklasse dort und hier besteht.

Auch wurde mir schnell klar, dass in St. Peters­burg alles irgendwie extremer ist als in Wien, im Guten wie im Schlechten. Auf der ei­nen Seite haben die Leute viel weniger Geld, kleinere Wohnungen, schlechtere Ausbil­dungs- und Arbeitsmög­lichkeiten und so weiter - all das Schlechte, was man normalerweise über Russland hört. Auf der anderen Seite ist das Zentrum der Stadt kultu­rell sehr beeindruckend, es reihen sich die Kir­chen, Museen, „Pusch­kinhäuser“ und sonstige Bauten nur so aneinan­der - und die Anlagen außerhalb der Stadt, wie Peterhof oder Puschkin (mit dem Bernsteinzim­mer), sind überhaupt eine Ausnahmeerschei­nung, etwas damit Vergleichbares habe zumindest ich noch nicht gesehen. 

Und ich glaube, dass auch dadurch diese zwei Wochen eine ziemlich wertvolle Erfahrung waren, durch das Erleben dieser extremen Unterschiede zwischen dem „offiziellen“ St. Pe­tersburg Putins und dem Teil der Stadt, in dem ein Großteil der Einwohner lebt und der auch dementsprechend aussieht - in dem dafür das Leben aber auch eine andere, meiner Meinung nach höhere Intensität hat. Und wo die Menschen eine in vielen Dingen lockerere Sicht der Dinge haben, ich hatte im Umgang mit meiner Gastfamilie eigentlich nie Probleme- einmal ab­gesehen von der Kommu­nikation.

Was als Letztes noch zu erwähnen bleibt, ist die ganz spe­zielle Stimmung zur Zeit der „Wei­ßen Nächte“ - alleine da­für hat sich meiner Meinung nach die Reise gelohnt und ich würde auch sehr gerne wieder hinfahren. Nicht zuletzt auch deswe­gen, weil die Reise eigentlich sehr unkompliziert ver­lief: Da­für, dass wir in einem Land waren, dessen Sprache die Hälfte der Klasse nicht mächtig war, war ei­gentlich alles sehr ein­fach- keine Spur vom Schreckgespenst des Kommu­nismus.

 

 

 

 

 

Andreas Schmallegger 

TAGEBUCHSPLITTER

6. Tag: Donnerstag, 5. Juni

Die Eremitage!!

Ein wunderbares Museum. Ich glaube, dass man in kei­nem anderen Land der Welt so nahe an so wertvolle Kunstwerke herankommt wie in Russland. Anschei­nend sind die Men­schen dort zivilisierter und grei­fen nicht alles an. Leider hatten wir nur eineinhalb Stunden Zeit alles zu besichtigen. Ich hätte mindestens das Dop­pelte ge­braucht.

An diesem Tag unternah­men wir auch noch eine kleine Tour an der Neva entlang (zu Fuß) und be­sichtigten das Denkmal Pe­ters des Großen und die Isaak Kathedrale. Besonders gefiel mir der Trompeter, welcher mir die Internationale vorspielte.

Adam Markus

2. Tag: Sonntag, 1. Juni

Ur hässliches Haus auf riesigen Stelzen, irrsinnig hoch, total heruntergekommen....

Auch in den Gängen ziemlich grausig und stinkig.

Die Wohnung ist ganz okay, das Zimmer ist super...passt eigentlich (bis auf die Dusche- Frage: Wie soll ich da Haare waschen?).

Die Frau, bei der wir wohnen, schaut sehr nett aus, nur können wir leider mit ihr nicht kom­munizieren, da sie praktisch nur Russisch spricht. Sie hat zwar zwei Töchter (von denen wir erst eine, Olga, kennen gelernt haben), die aber nicht besonders erfreut scheinen, wenn sie dauernd auf Englisch übersetzen sollen.

Zuerst ist es ur schlimm, weil man einfach in einer komplett anderen Welt ist: allein die Stra­ßen und Häuser, wie die Menschen wohnen, die alten Frauen, die neben der Straße Gemüse verkaufen, die Minigeschäfte (bzw. Kioske), wo man denkt, der Verkäufer stirbt an Platz­angst, Zigaretten um 14 Rubel oder noch billiger (das sind nicht einmal 50 Cent)...

Olga hat mich gleich gefragt, wie’s mir gefällt und dass sie gern hätte, dass es uns taugt...aber man braucht Zeit, das alles ein bissl zu verdauen, weil sich das Leben hier so von unserem in Österreich unterscheidet...

Anfangs dachte ich: „Wann komme ich wieder nach Hause“, aber Herr Rehling hat Recht: Man ist in einer ganz anderen Welt und sollte alle diese neuen spannenden Eindrücke genie­ßen.

Inanna Reinsperger

7. Tag: Freitag, 6. Juni

 

 

Heute ist ein großer Feiertag: Geburtstag von Puschkin, Felix’ Papa, Markos Mama und gol­dene Hochzeit von Andreas’ Großeltern!

 

Inanna Reinsperger

 

 

                                                

 

 

Наш Пушкин

12. Tag: Mittwoch, 11. Juni

23:30 Treffpunkt – auf zu den Brücken: mit der Metro zur Fußgängerzone

längerer Fußmarsch zur Schlossbrücke – es ist schon toll, wenn eine sechsspurige Straße ein­fach in der Mitte aufgeht!

Nach zwei Referaten (Felix, Inanna, Alex) haben wir drei Flaschen жампанское (Zen­sur!) geleert. Nach Hause sind wir mit dem „Taxi“ gefahren (50 Rubel pro Auto).

War ein sehr schöner und netter Abend!

Gunda Weiss

4. Tag: Dienstag, 3. Juni

Dann kamen wir zur Aurora (ich dachte eigentlich, dass es ein Denkmal für irgendeine Frau / Fürstin / Zarin ist). Felix hat uns etwas über das Schiff erzählt und später sahen wir echte Matrosen aus der Akademie herausgehen.

Olga Schelest

 

 

 

 

8. Tag: Samstag, 7. Juni

 

 

 

Nach Пушкин - Puschkin (Katha­rinen-Palast), wieder mit der электричка.

Sind dort ca. um 12 Uhr ange­kommen.

Das war wie in einer anderen Welt.

Olga Scheles 

9. Tag: Sonntag, 8. Juni

 

 

 

 

 

Wir durften länger ausschlafen! Bis 2 Uhr!!

Spaziergang auf dem Невский und Bootsfahrt auf der  Нева. Danach besichtigten wir meine Lieblingskirche (Er­löserkirche) – Спас на крови.

 

ENTSPANNEND!

Olga Schelest

1. Tag:             Samstag, 31. Mai

Die Finnen scheinen freundlich zu sein.

Felix Böhme

3. Tag:             Montag, 2. Juni 

Schule ziemlich schwer und viel zu lang. Ich kapier nix. Zumindest das Essen ist gut.

Wieder auf den Nevskij. Das mit den kleinen Kanälen durch die Stadt ist toll. Kappe gekauft. Das Feilschen macht extrem Spaß.

Am Abend Runde zum Strand. Im Osten baut man scheinbar alles aus Beton. Alles in der Gegend arg verwahrlost. Hoffentlich werden die Fotos schön.

Felix Böhme 

6. Tag:             Donnerstag, 5. Juni

Langsam läuft’s in der Schule.

Felix Böhme

5. Tag

Toller Ausflug nach Peterhof. S-Bahn ganz anders als in Wien, Spur wesentlich breiter. Leute verkaufen was im Wag­gon.

 

Peterhof großartig, überall Springbrunnen. Hoffentlich gibt’s da tolle Fotos. Reise zu­rück in ganz kleinem Bus. Blini mit Kaviar im Restaurant ge­gessen. Gut und nicht zu teuer. Bedie­nung schlecht.

Essen zu Hause wieder gut.

 

Felix Böhme

   

14. Tag:           Freitag, 13. Juni

 

Eigentlich war alles gut, nur ein bisschen anstren­gend.

Adam Markus

 

Kurzgefasste Eindrücke von Sankt Petersburg:

Adam: Ich fand es wun­derbar. Ich habe schon viele Städte auf dieser Welt gesehen, aber noch keine, in der man so viel sehen kann.

Obwohl es nur wenige Baustile in Sankt Peters­burg gibt, ist alles sehr abwechslungsreich.

Ich will wieder dorthin!

Aron: Es war sehr ab­wechslungsreich. In Sankt Petersburg gibt es eine völlig andere Kultur und es gibt dort die schönsten Sehenswürdigkeiten, die ich je gesehen habe.

Pauli: Mir hat Petersburg sehr gut gefallen.

Olga: Es hat mir sehr gut gefallen! Es gibt, meiner Meinung nach, große Unterschiede zwi­schen dem Zentrum und den Vororten rund um Petersburg

Maria: Es war zunächst schrecklich. Ich wollte anfangs nichts anderes als wieder nach Hause. Ich fühlte mich absolut nicht wohl. Mit der Zeit jedoch verging dieses Gefühl, und als ich wieder daheim war, wollte ich wieder zurück nach Petersburg.

Andreas: Anfangs hatte ich einen leichten Kulturschock, da ich nicht wusste, was mich in Russland erwartet, aber es hat mir dann sehr gut gefallen.                                         

Inanna: In Petersburg gab es mehrere Momente, in denen ich nach Wien zurück wollte, aber im Allgemeinen fand ich die Reise sehr schön und werde sie in guter Erinnerung behalten.

Felix: Passt eh!

Kommentare der Leute, die nicht mit waren:

Ivana: Es war schrecklich langweilig ohne die Klasse und ich fand es sehr schade, dass ich nicht mitgekommen bin.

Sabrina: Leider hatte ich nicht die Möglichkeit mitzufahren, was ich nachträglich sehr be­dau­ere. Ich war noch nie in meinem Leben in Russland und besonders Sankt Petersburg hätte mich gereizt aufgrund der vielen und schönen Sehenswürdigkeiten.

Ich hätte mir sehr gerne die Eremitage, das Lyzeum, in dem Puschkin lernte, und seine Denkmäler angesehen. Hoffentlich kann ich das irgendwann einmal nachholen.

Luis: Ich finde es auch sehr schade, dass ich nicht dabei war. Petersburg muss sehr schön sein, wie ich auf unzähligen Fotos sehen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das andere Petersburg

 „...[es] stellt sich schon Vorfreude darüber ein, dass uns alle ein besonders schönes Petersburg erwartet. In den Medien sind viele Berichte Über die neurenovierte Stadt, die 300-Jahr-Feier und die weißen Nächte zu verfolgen – und das alles nur für uns!“ So schrieb Frau Professor Erdinger in ihrem Elternbrief über St. Petersburg. Meine Erwartungen waren dementspre­chend hoch. Ebenso groß war mein Schrecken bei meinen ersten Eindrücken.

 Nach der Ankunft in Helsinki (die letzten Worte des Kapitäns vor dem Abflug in Wien, der sich um eine halbe Stunde verzögerte, weil etwas am Flugzeug nicht funktionierte, waren: „The plane is quite okay“ ...sehr vertrauenserweckend, nicht?), einer Besichtigungstour durch die Stadt (wo jeder versucht hat, sich finnische Euro-Münzen zu besorgen) und einer sieben­stündigen Busfahrt mit einem Zwischenstopp bei äußerst ungut dreinschauenden russischen Grenzsoldaten zur Visakontrolle kamen wir im „Venedig des Nordens“ an.

 Da ich sehr erschöpft war, bekam ich nur schleierhaft mit, dass wir in zwei kleinere Busse umstiegen und getrennt zu unseren Häusern gebracht wurden, in denen wir wohnen sollten. Das war der nächste Schock: Der veraltete, typisch sozialistische Plattenbau (ich habe ge­schätzt, dass er aus den 60ern ist; später erfuhr ich, dass er gerade einmal zwölf Jährchen alt ist) mit den hässlichen Betonstützen und der renovierungsbedürftigen Fassade könnte doch nicht im Ernst unsere Wohnstätte für die nächsten zwei Wochen sein?! Doch zum Glück war ich zu müde, um das gesamte Ausmaß der Situation zu realisieren. Es störte mich dann auch kaum noch, dass der Lift, mit dem wir in den zehnten Stock fuhren, nach Urin stank und mehr wackelte als das Flugzeug auf dem Hinflug (und das war schon bei Gott nicht ruhig gewe­sen!).

 Wegen meiner Müdigkeit warf ich mich dann auch sofort ins Bett, nachdem ich herzlich von der Familie begrüßt worden war – auf Russisch selbstverständlich, weil niemand von unseren Betreuern auch nur ein Wort Englisch oder Deutsch sprach. 

Die nächsten Tage verlie­fen schnell: Montag bis Freitag gingen wir von zehn bis zwei in die russi­sche Sprachschule („Li­den & Denz“), in der un­sere Lehrerin Lidija uns Einiges bei­brachte. Ich bin begeistert, wie viel Russisch ich immer noch kann. Die Nachmittage verliefen im Gegensatz zu den Vormittagen im­mer anders: Wir schauten uns verschiedene Mu­seen, Plätze und Denk­mäler an – Eremitage, Peter-Paul-Festung und Aurora, um nur einige Höhe­punkte zu nennen.

Auch das Leben bei meiner Familie normalisierte sich – obwohl ich niemals so leben könnte, begann ich es bereits nach ein paar Tagen recht gemütlich zu finden. Ich probierte meinen neuen Wortschatz in „Gesprächen“ mit der Familie aus, konnte mich aber nicht wirklich ver­ständigen – ich war stolz darauf, als ich fragen konnte: „Wann ist das Essen fertig?“ und auch die Antwort verstand!

Etwas anderes wurde mir in dieser Zeit auch klar: Petersburg ist die reine „Vorzeigestadt“. Es gibt sehr viele schöne Gebäude, gigantische Denkmäler und großzügig angelegte Plätze, aber sobald man in eine Seitengasse kommt, ist es aus mit dem unglaublichen Prunk. Dann schaut Petersburg genauso aus, wie ich mir - als noch nie in Russland gewesener Europäer – eine „normale“, nicht sehr reiche russische Stadt vorstelle.

Und trotzdem (oder vielleicht auch deshalb) gefiel mir Petersburg sehr. Die schönen, reich verzierten Gebäude waren natürlich imposant, aber das, was mich wirklich faszi­niert hat, war dieses typisch russische Leben, das wir durch das Zusammensein mit der Familie vermittelt bekommen haben.

 

Obwohl ich meine ersten Eindrücke in den ersten Absätzen sehr negativ dargestellt habe, fand ich das Leben in Russland sehr angenehm. Es war eine neue Erfahrung, und ich glaube, im Nachhinein sagen zu können, dass sie sich ausgezahlt hat. Und ich habe noch etwas Wich­tiges gelernt: Wie schön es ist, wieder nach Hause zu kommen, und in welchem Luxus wir hier leben.

Alex Tolios 

 

 

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank allen, die durch ihre (materielle) Unterstützung dieses Projekt ermöglichten!