SCHÜLER UND POLITIK – POLITIK UND SCHÜLER

 

 

Einleitung

 

1978 wurde die Politische Bildung als Unterrichtsprinzip in Österreich eingeführt.

Es soll also in jedem (!) Gegenstand aller (!) Schulstufen eine Auseinandersetzung mit politischen Fragen im engsten wie auch im weitesten Sinn stattfinden.

Poltische Bildung vollzieht sich in drei Bereichen, die einander wechselseitig bedingen:

Politische Bildung ist Vermittlung von Wissen und Kenntnissen.

Politische Bildung ist Entwicklung von Fähigkeiten und Einsichten.

Politische Bildung ist Weckung von Bereitschaft zu  verantwortungsbewusstem Handeln.

Ziel dieses Unterrichtsprinzips soll sein,  jungen Menschen ein politisches Grundverständnis zu vermitteln, sowohl in Hinblick auf Partizipationsmöglichkeiten als auch auf politische Funktionismen.

Dadurch soll das Interesse an Politik im Allgemeinen gefördert werden, zumal die Politikverdrossenheit unter den Jugendlichen nach neuesten Untersuchungen weit verbreitet zu sein scheint.

Die vorliegende Studie wurde von den Schülern der Wahlpflichtfachgruppe  Geschichte und Sozialkunde, Politische Bildung ( LYUBINA Uljana 7A, MAIER David 7B, MEIXNER Philipp 7C, STREN Paul 7C, MANSOUR Marawan 7C, NAVARO Natalia 7C, NEUMAYR Vincent 8A, MEISSL Lukas 8B, TALEBI Nooran 8B, HASTERT Lisa 8B, REINDL Ulrike 8B, BERNITZKY Dominik 8C, BRUNNER Bernhard 8C, MESARIC Sandra 8C ) eigenständig erarbeitet, was die Fragebögen (479 ausgewertete) als auch die Auswertung  und Aufbereitung betrifft.

Um die Daten anschaulich und nachvollziehbar darstellen zu können, werden sie graphisch aufbereitet und auch kommentiert.

Für das Unterrichtsprinzip politische Bildung ist die Vorstellung maßgebend, dass Lernen auf Erfahrung und Einsicht beruht und Erkennen und Wissen in Beziehung zu einer möglichen Aktivität stehen.

Wir hoffen, dass wir mit dieser Arbeit einen Beitrag zur Umsetzung des Unterrichtsprinzips geleistet haben.

 

Projektleiter

Mag. Degenhart Christina

 

 

 

 

Frage 1: Wie würdest du dein Interesse an Politik einschätzen?

 

Aus dem Ergebnis der ersten Frage geht hervor, dass der Großteil der befragten SchülerInnen ihr Interesse an Politik als mittelmäßig einstufen.

 

Männliche Schüler tendieren dazu, sich weder sehr stark noch gar nicht für Politik zu interessieren, wogegen die Umfragewerte der weiblichen Befragten ein große Bandbreite aufweisen. Die Ergebnisse der Mädchen waren sowohl beim positiven Extrem, also sehr großem Interesse, als auch beim Negativen, also gar keinem Interesse, höher als bei den männlichen Befragten.

 

Die Tendenz zum Desinteresse der SchülerInnen bezüglich Politik, die durch das Ergebnis aufgezeigt wird, stimmt mit dem Ergebnis bundesweiter Umfragen im Großen und Ganzen überein; große Abweichungen treten nicht auf.

 

 

Frage 2: Woher beziehst du deine Information?

 

Laut einer Umfrage, bezieht der maßgebliche Großteil der Schüler des GRG Stubenbastei seine Informationen bezüglich politischen Fragen, Recherchen bzw. Erkundigungen hauptsächlich aus dem Fernsehen.

Als zweitwichtigste Quelle der Informationsbeschaffung über politische Ereignisse und Fragen wurden die Familie und der unmittelbare Freundeskreis angegeben.

In weiterer Folge in der Beliebtheit sinkend wurden die Medien „Zeitung“ und „Radio“, Fachzeitschriften und das Internet wurden als kaum relevante und am wenigsten in Anspruch genommene Quellen bezeichnet.

Auffallend an dieser Statistik ist,  dass das Medium Fernsehen als wichtigste und beliebteste Informationsquelle genannt wird.

Nachrichten, Sonderprogramme, öffentliche Presse- und Diskussionsrunden sollen, unter anderem, einen Großteil zum Informieren der Zuseher über den aktuellsten Stand der Dinge beitragen.

Indem sich politische Parteien die Beliebtheit des Fernsehens für ihre Zwecke zunutze machen, kann es leicht passieren, dass nicht nur informiert sondern auch manipuliert wird.

 

Dieses Ergebnis ist für die politischen Bildner aus mehreren Blickwinkeln interessant. Einerseits dokumentiert es die Annahme, dass Politik immer mehr als politische Inszenierung wahrgenommen wird, andererseits veranlasst es alle für die Erziehung Verantwortlichen, politische Bildung vor allem als Medienpädagogik umzusetzen.  


  Wie würdest du dein Interesse an Politik einschätzen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Frage 3: Für wie glaubwürdig hältst du diese Quellen?

 

 

Frage 4: Wie verständlich sind diese Informationsquellen für dich?

 

 

 

Der Fernseher ist in punkto Glaubwürdigkeit bei den Schülerinnen und Schülern der Stubenbastei der absolute Spitzenreiter. Abgeschlagen auf Platz 2 liegt die Familie, knapp vor diversen Zeitungen. Danach kommen das Radio und der eigene Freundeskreis. Dem Internet wird verhältnismäßig wenig Glaubwürdigkeit geschenkt und Zeitschriften gelten als besonders unseriös.

Bemerkenswert ist, dass die Schülerinnen und Schüler mehrheitlich dem Fernsehen deutlich mehr Glaubwürdigkeit zuschreiben als beispielsweise ihrer Familie und ihren Freundinnen und Freunden.

Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob das TV in den letzten Jahren auch bezüglich der Bildung in politischen Fragen an Bedeutung gewonnen hat. Leider liegen uns keine früheren Umfragewerte vor, sodass uns ein Vergleich nicht möglich ist.

Trotzdem wird durch dieses Ergebnis klar, welche immense Rolle die Medien, und das Fernsehen im Besonderen -  im Politisierungsprozess von jungen Menschen in Österreich spielen.

Diese Tendenz birgt allerdings Gefahren in sich, da eine parteiische Vereinnahmung des Fernsehens -  und in weiterer Folge der Medien an sich -  das Denken und schließlich auch das Handeln potentieller Wählerinnen und Wähler in großem Maße beeinflusst.

Diese Entwicklung ist allerdings vermutlich nicht auf Schülerinnen und Schüler der Stubenbastei beschränkt, sondern kann auf unsere ganze Gesellschaft umgelegt werden. Dadurch, dass die Medien den Fokus auf ganz gestimmte Ereignisse im politischen Geschehen richten, bestimmen sie ebenfalls die Prioritäten, die Bürgerinnen und Bürger in ihrem eigenen Wertesystem setzen, in erheblichem Ausmaß mit.

Die hohe Glaubwürdigkeit, die dem Fernsehen geschenkt wird, lässt vermuten, dass wenig kritische Auseinandersetzung mit diesem Medium besteht, was ebenfalls als problematisch angesehen werden kann.


 

Frage 3: Für wie glaubwürdig hältst du diese Quellen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage 4: Wie verständlich sind diese Informationsquellen für dich?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Frage 5: Wie gut fühlst du dich über Medien mit politischen Informationen versorgt?

 

Das Gros, ungefähr 34,5 % der Schülerinnen und Schüler des GRG,  halten sich selbst auf durchschnittliche, mittelmäßige Art über Politik  informiert. Wobei dieser Anteil von 18,7 % von den Mädchen dominiert wird.

Im Gegensatz zu den Verhältnismäßigkeiten der durchschnittlich Informierten geben jeweils nur 9,2 %  und 8,6 % der Schülerinnen und Schüler an, sich sehr gut oder sehr schlecht über Medien mit politischen Informationen versorgt zu fühlen.

24,4 % stellen den Medien ein gutes Zeugnis aus, die restlichen 18,4 % meinen, sie werden nicht ausreichend mit politischen Informationen versorgt.

Knapp 4,9 % schafften es nicht,  eine Angabe zu machen.

Diese Fragestellung impliziert natürlich zwei Verständnisarten:

1.    Informiere ich mich genug mittels der Medien?

2.    Informieren mich die Medien gut genug?

Immerhin sagen ca. zwei Drittel, dass sie sich ausreichend oder überdurchschnittlich mit politischen Informationen versorgt fühlen.

 

Frage 6 : Wie gut fühlst du dich über die Schule mit politischer

          Information versorgt?

 

 

Die meisten Schülerinnen und Schüler fühlen sich „mittelmäßig“ bis „nicht genügend“ informiert. Burschen haben eher dazu tendiert,  keine Angaben zu machen – womöglich haben sie sich mit dem Thema einfach noch nie beschäftigt.

Die Tatsache, dass Schüler sich eher schlecht informiert fühlen zeigt, dass in dieser Hinsicht noch einiges getan werden könnte und sollte.

Was zu denken gibt ist, dass unsere Schule als eine eher politisch engagierte gilt –wie sieht es dann erst in anderen Schulen aus?

Oder sind die Schülerinnen und Schüler anspruchsvoller als der Rest?

 

Frage 7: Wie fühlst du dich allgemein über Politik informiert?

 

Das Erste, was an dieser Statistik ins Auge fällt, ist der sehr große Anteil an mittelmäßig Informierten. Dies betrifft sowohl die gesamt- als auch die geschlechtsspezifische Zahl.

Unserer Ansicht nach ist das mittelmäßige Interesse an der Politik auf zu wenige politische Schwerpunkte im Unterricht zurückzuführen.

Auch in den Medien werden nur selten jugendbezogene Themen behandelt.

Es ist allerdings anzunehmen, dass das politische Interesse mit der Senkung des Wahlalters zunehmen wird.


 

 

Frage5: Wie gut  fühlst du dich über die Medien mit politischen Informationen versorgt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage 6: Wie gut fühlst du dich über die Schule mit politischen Informationen versorgt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   Frage 7: Wie fühlst du dich allgemein über Politik informiert?

     

 

 


Frage 8: Was hat dein Interesse oder Desinteresse beeinflusst?

 

 

Mein Interesse hat beeinflusst:

 

1) Interesse durch Diskussionen mit den Eltern

 

2) Wählen ab 16 und die damit verbundene Information darüber

 

3) Wahlplakate

 

4) Diskussionen mit Freunden

 

5) Regierungswechsel 2000

 

6) durch Informationen in der Schule

 

7) persönliche Erfahrungen 

 

 

 

Mein Desinteresse hat beeinflusst:

 

1)                 kein Wahlrecht

 

2)                 schlechte Politiker

 

3)                 Politik ist langweilig

 

4)                 Frustration über politische Zustände

 

5)                 Politik ist zu kompliziert

 

6)                 Politiker versprechen viel, halten aber wenig

 

Schlussbetrachtung:

 

Die Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler zeigt uns, dass das politische Interesse vorhanden ist. Es ist daher auch Aufgabe der Schule dieses Interesse zu fördern.

Da ein großer Teil an politischer Information über das Fernsehen bezogen wird, ist es wünschenswert, dass gerade die „vierte Gewalt“ im Staat, die sich selbst als sehr wichtige Kontrollinstanz sieht, einer kritischen Betrachtung seitens der Schule unterzogen wird.

Die Politik läuft nämlich immer mehr Gefahr von einer breiten Öffentlichkeit als politische Inszenierung wahrgenommen zu werden.

Daher ist es umso wichtiger ein differenziertes Bild von Politik zu präsentieren.

Dass Eltern beim Wecken von politischem Interesse und Vermitteln von Kenntnissen in Sachen Politik eine wichtige Rolle spielen, ist ein wichtiger Aspekt dieser Studie. Es zeigt, welch entscheidenden Anteil der Einfluss des Elternhauses auf das politische Verhalten des jungen Menschen hat.

 

„Ein zuviel an Demokratie hat noch nie geschadet, das Gegenteil schon!“ (Anton Pelinka)