Da
laut der Fessel Studie "Politisches Interesse bei Jugendlichen (1980
- 2000 )" ein großes Desinteresse am politischen Geschehen bei Jugendlichen
herrscht, ist es von besonderer Wichtigkeit diesem Lehr- und Bildungsauftrag
nachzukommen.
Um
den Schülern Alltagspolitik aus nächster Nähe bieten zu können, wurden von
mir alle im Parlament vertretenen Parteien eingeladen, einen Vertreter in
unsere Schule zu schicken, um mit den Schülerinnen und Schülern der 7. und
8. Klassen über die Themen
>> Sozialpolitik
>>
Bildungspolitik
>>
EU-Erweiterung
zu
diskutieren.
Die
Einladung wurde erfreulicherweise von allen Parteien angenommen:




Im
Zuge der laufenden Veranstaltungsreihe kam es am 5.April dieses Jahres zum
ersten Treffen zwischen uns Schülern und dem Vertreter einer der vier Parlamentsparteien.
Der
erste Politiker, der uns vor allem in den Bereichen Bildung, Soziales und
EU-Osterweiterung Rede und Antwort stand, war Dieter Brosz, Bildungssprecher
der Grünen. Ihm folgte am 15.April Alfred Gusenbauer, stellvertretend für
die SPÖ. Obwohl Letzterer sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern
größere Begeisterung auszulösen schien (was ich auf die Tatsache zurückführe,
dass er in der Partei als Vorsitzender eine hohe Stellung genießt), fand ich
doch beide Diskussionen gleichermaßen interessant und aufschlussreich.
Viel
zu vergleichen gab es allerdings nicht, denn die Ideen scheinen die gleichen
oder zumindest ähnliche zu sein, auch wenn die Schwerpunkte unterschiedlich
gelagert sind.
Auf
mich wirkte Dieter Brosz seriöser als Alfred Gusenbauer, dessen Erfahrungen
im Rede-Halten (und Neue-Wähler-Gewinnen) deutlich zu bemerken waren. Außerdem
sprach er mit einer solchen Sicherheit, dass Rot Blau-Schwarz wieder ablösen
und alle ihre (Spar-)Maßnahmen rückgängig machen werde, wie nur jemand sprechen
kann, dessen Partei zuvor jahrzehntelang Kanzler und Minister gestellt hat.
Brosz hingegen war in dieser Hinsicht eher zurückhaltend und meinte, die
Grünen müssten sich noch gut vorbereiten auf eine mögliche Regierungsbeteiligung.
Seitens der Schüler kamen bei beiden Diskussionen viele Fragen, die lustigerweise
in ihrer Formulierung dem jeweiligen Politiker und dessen Ausdrucksweise angepasst
waren.
Dann
kam ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat an die Reihe- meiner Meinung
nach die Schlimmste von allen, wobei mir das leider erst im Nachhinein bewusst
geworden ist. Sie verstand es prächtig, den Schülern zuzustimmen und gleichzeitig
zu widersprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass das überhaupt
möglich ist. Sie zeichnete uns ein völlig neues Bild, was die Studiengebühren
und die daraus folgenden Verbesserungen im Bildungssystem betrifft, und auch
die Rolle der ÖVP in der Regierung ist ihren Angaben nach eine ganz andere
als wir dachten bzw. denken. Kritik an der Regierung leitete sie umgehend
weiter an den blauen Koalitionspartner und am liebsten erzählte sie uns von
sich und ihrer Familie bzw. wie man nur durch gute Verbindungen einen hochbezahlten
Beruf bekomme, während andere, ebenso gut Ausgebildete auch nach dem Studium
arbeitslos blieben. Und nicht nur deshalb hat genaues Nachfragen gefehlt.
Andererseits weiß ich, dass sie immer eine Antwort parat gehabt hätte und
nicht von ihrer Meinung abzubringen gewesen wäre -zum Glück würde der eine
oder andere da sagen, denn was für ein Politiker wäre das, der sich von ein
paar Jugendlichen überzeugen ließe?
Ja,
und das erinnert mich an unseren letzten Gast, FP- Generalsekretär Karl Schweitzer,
der, nachdem er uns den Standpunkt seiner Partei dargelegt hatte, beim Beantworten
der Fragen ziemlich schnell die Fassung verlor. Dass er Behauptungen aufstellte,
um sie schon im nächsten Satz mit einer widersprüchlichen Aussage ad absurdum
zu führen, überraschte mich nicht, genauso wenig wie seine nach und nach immer
feindlichere Haltung uns gegenüber.
Nicht
nur unmittelbar nach den jeweiligen zwei Stunden im Festsaal, sondern sogar
noch tagelang danach hatten wir angeregt diskutiert und letztendlich sind
wir zur Erkenntnis gekommen, dass es sich im Grunde genommen nicht lohnt,
sich wegen der nichtgestellten Frage und der fehlenden Beharrlichkeit Vorwürfe
zu machen, denn selbst im Parlament wird die Kritik an der eigenen Parteipolitik
ignoriert.
Aurora
Hackl, 7a
In
Österreich erleben wir zurzeit tief greifende größere und kleinere Veränderungen,
durchgeführt von einer nationalpopulistischen Partei (FPÖ) und einer ÖVP,
die sich traurigerweise damit begnügt, ihre Macht abzusichern.
Die
ÖVP schickte Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat, da man angesichts von Gusenbauer
und Brosz ein „entsprechendes Kaliber“ (so die Sekretärin im zuständigen Amt)
schicken müsse.
Den
krönenden Abschluss bildete Generalsekretär Schweitzer von der FPÖ.