
WEGSCHAUEN ÄNDERT NICHTS!!!
Null Bock auf Politik!?
Wählen mit 16
Wir
haben dieses Thema „Null Bock auf Politik – wählen mit 16“ ausgewählt, weil wir
der Meinung sind, dass die Senkung des Wahlalters von den Medien bis jetzt kaum
thematisiert wurde.
Daher
stellt sich uns die Frage:
Ist Wählen mit 16 nur
politisches Kalkül oder soll damit das Demokratiebewusstsein gestärkt werden?
Nachdem
wir uns intensiv mit dieser Frage beschäftigt haben, neigen wir zu der Ansicht,
dass wählen mit 16 politisches Kalkül ist, weil niemand wirklich Bescheid weiß
über das Stimmverhalten und die Motive jener, die erstmals wählen.
Unsere
Recherchen ergaben, dass mangelnde politische Informationen der Grund für das
scheinbare Desinteresse der Jugendlichen am politischen Geschehen ist.
Geht
es den Parteien beim Einsatz für das Wahlrecht der Jugend nur um Imagegewinne?
Sind
uninformierte Personen für die Parteien bessere Wähler?
Wenn ja, besteht die Gefahr, dass politische Entscheidungen emotional gefasst werden und nicht nach politischen Inhalten.
Österreich - ein Vorreiter beim Jugendwahlrecht
Die
überwältigende Mehrheit der Staaten, weltweit und europaweit, ist der Meinung,
dass 16-jährige noch viel zu jung zum Wählen sind. In den meisten Ländern liegt das aktive Wahlrecht bei 18 Jahren und das passive oft
noch darüber. EU-weit ist Österreich das einzige Land, in dem bundesweit ab 16
gewählt werden darf.
Historisch
gesehen, ist allerdings durchaus ein Trend zur Herabsetzung des Wahlalters
erkennbar. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ein Mindestalter von 20 bzw. 21
Jahren keine Seltenheit. Es wird wohl anerkannt, dass in unserer heutigen
Gesellschaft die Jugendlichen schon früh dieselben Möglichkeiten wie die
Erwachsenen haben, sich politisch zu informieren.
Manche
Staaten, zum Beispiel Serbien, haben darauf reagiert, dass viele Jugendliche
auch schon die Verantwortungen und Pflichten eines Erwachsenen übernehmen
müssen, wenn sie nach der Pflichtschule sofort zu arbeiten beginnen. Daher sind
in Serbien und Kroatien Jugendliche ab 16 wahlberechtigt, sofern sie arbeiten.
Auch
in der EU wird der Ruf nach einer Senkung des Wahlalters laut. Es beträfe ja
„nur“ Europawahlen, argumentieren manche, und hier könnte man gut erkennen, ob
die Jugendlichen überhaupt politisch interessiert sind. Schon 2005 war dies
eine Forderung der Jugendkonferenz in Brüssel. Online-Umfragen zeigen jedoch,
dass beispielsweise die Minimierung der Jugendarbeitslosigkeit den Bürgern
derzeit wichtiger ist.
In
Deutschland gab es ebenfalls vereinzelte Vorstöße einzelner Abgeordneter, das
Wahlalter im ganzen Land zu senken, die jedoch auf wenig Zustimmung außerhalb
politischer Jugendorganisationen trafen.
Wenn
sich der bisherige Trend fortsetzt, ist zu vermuten, dass das durchschnittliche
Wahlalter – sowohl in Europa als auch international - in einigen Jahren wieder
gesunken sein wird. Langfristig, mit immer mehr gut informierten, organisierten
und engagierten Jugendlichen in allen Ländern, wird diese überaus
wünschenswerte Entwicklung kaum aufzuhalten sein.

JUGENDARBEITLOSIGKEIT,
STUDIENGEBÜREN, LEISTUGSDRUCK, GESAMMTSCHULE, AUSBILDUNGSPLATZ
BESTIMME DEINE ZUKUNFT SELBST
Das
zentrale Thema unseres Projekts „Null Bock auf Politik – wählen mit 16“
veranlasste uns dazu, eine Umfrage, die wir mittel anonymen Fragebögen
durchführten, zu starten. Unser Endergebnis sollte Aufklärung über das Rätsel
„Jugendliche und Politik“ liefern. Geht der Trend der österreichischen Jugend
tatsächlich zu gewaltigen Dessintresse an Politik? Ist es wirklich nur ein
kurzlebiger Trend? Oder wird dieses Verhalten zur Gewohnheit und Ignoranz über
politisches Geschehen zur Grundhaltung der Menschen? Ist es das vielleicht
nicht schon? Warum haben Jugendliche so eine, fast schon alltäglich gewordene,
Gleichgültigkeit an Politik, ist eine, der Leitfragen in unserem Projekt.
Um eine möglichst breit gefächerte Zielgruppe
vergleichen zu können, haben wir die Fragebögen, die 11 Fragen, die
grundlegende Fakten, aktuelle Fakten und eigene Meinung „abfragen“ in unserer
Schule, einer AHS im ersten Bezirk, einer Berufsschule im 11. Bezirk und in einer Disco im ersten Bezirk
ausgeteilt. Diese zuverlässigen Ergebnisse geben an, dass sich in der AHS nur 2/3
der 122 befragten Oberstufenschüler für Politik interessieren, in der
Berufsschule sind es überhaupt nur 1/5 von 39 Schülern,
hingegen beschreibt sich genau die Hälfte der 26 befragten Discobesucher als
interessiert. Als Gründe für Fehlendes Interesse nennen die meisten zu wenige
Informationen und meinen von sich selbst sie hätten „keine Ahnung“.
Nun
stellt sich die Frage, wie man sich für etwas interessieren kann, von dem man
grundlegende Dinge nicht weiß.
Die Fragen, bei denen eindeutige, konkrete Antworten erwartet wurden, ergaben erschreckende Ergebnisse:
1.
Was ist das
höchste Amt in Staat -und wer hat es derzeit inne?
2.
Wie viele Parteien
sind im Parlament vertreten?
3.
Welche Parteien
sind momentan in der Regierung, welche in der Opposition?
4.
Ab welchem Alter
darf man den Nationalrat in Österreich wählen?




Die
persönliche Ansicht der Mehrheit der Befragten über die Alterssenkung auf 16.
Jahre, ist zweigeteilt. Sie sind der Meinung, dass es einerseits gut ist, denn
auch Jugendliche sollen über das politische Geschehen in ihrem Land
mitbestimmen dürfen, andererseits nutzt kaum jemand dieses Privileg, geschweige
denn wurde von dessen Existenz in Kenntnis gesetzt, was eigentlich das genaue
Gegenteil des Zwecks, was dieses neue Recht erfüllen soll, ist. Viel zu wenig
„Werbung“ über die schon am 23. Oktober
Woher kommt es, dass kaum jemand wirklich Bescheid weiß- und warum? Ist Politik in unserer Zeit wirklich „uncool“? Auch Erwachsene, wie man aus zahlreichen Radiosendungen weiß, beschreiben sich selbst leider viel zu oft als politisch desinteressiert, was möglicherweise der Grund für die gleiche Meinung der Jugendlichen sein könnte. Übertragen wirklich Elter ihr politisches Bewusstsein auf ihre Kinder? Wenn ja, sollte sich die Einstellung der Menschen schleunigst ändern, denn ein solcher, schon entstehender Teufelskreis wäre nur durch die konsequen te Einführung des Pflichtfaches „Politische Bildung“ ab der fünften Klasse, aufzuhalten.
Fragen an die Jugendsprecherinnen
Laura Rudas und Silvia Fuhrmann
Fuhrmann:
Mein Interesse an Politik hat in der Schülervertretung begonnen, als ich in der
6. Klasse Gymnasium war. Als ich Schülervertreterin war, schnupperte ich zum
ersten Mal politische Luft und habe gelernt, für Anliegen zu kämpfen anstatt zu
jammern oder zu resignieren.
Rudas:
Mit 14 hat mein Interesse für Politik begonnen. In weiterer Folge habe ich mich
nach der Matura in verschieden politischen Organisationen der SPÖ engagiert.
Ich habe mich immer kritisch mit Politik auseinandergesetzt. Parteipolitik ist
notwendig um konkrete Veränderungen durchzusetzen.
„Wie stehen Sie zur
Wahlaltersenkung? Politisches Kalkül oder Interesse an der Jugend?“
Rudas:
Die Sozialistische Jugend hat seit Jahren die Senkung des Wahlalters von 18 auf
16 gefordert. Die SPÖ macht Politik für junge Menschen und gliedert sie in das
politische Geschehen ein. Eine Koalition bedeutet Kompromisse und hier hat die
ÖVP nachgegeben.
„Warum
hat sich die ÖVP erst so spät für wählen ab 16 ausgesprochen?“
Fuhrmann: Man darf nicht den 5. Schritt vor dem 1. machen. Zuerst sollte man Maßnahmen in anderen Bereichen setzen bevor man das Wahlalter senkt. Ich sehe ein großes Defizit bei der politischen Bildung von jungen Menschen. Mit einem verpflichtenden Unterrichtsfach „Politische Bildung“ könnte dem Abhilfe geschaffen werden.
Rudas: Der Druck hat sich bei jungen Menschen
erhöht. Vielen Jugendlichen wird die Kindheit geraubt. Durch den Leistungsdruck
in der Schule hat sich das Rollenbild der Jugendlichen verändert. Ein weiteres Problem ist, dass Jugendliche
meistens die, Ausbildung nehmen, die sie bekommen und nicht die die sie
interessiert. Das heißt, dass viele Jugendliche immer weniger selbstbestimmt
leben.
Fuhrmann: Wir von der Jungen ÖVP machen Themen zum
Thema, die die unterschiedlichsten Lebensräume von Jugendlichen betreffen z.B.
Bildung, Uni, Arbeitsplatz, Wohnen, Führerschein und auch die Zukunftssicherung
betreffend Gesundheitsvorsorge und Pensionen. Wir verstehen uns als Sprachrohr
und Anwalt von jungen Menschen.
Rudas:
Aus meiner Erfahrung sind Jugendliche an Politik interessiert, wenn es um Themen
geht die sie ansprechen z.b.: bei der Diskussion um die Einführung der
gemeinsamen Schule der 10 bis 14 jährigen. Daher sollte politische Bildung in
der Schule verpflichtend sein.
Fuhrmann: Mein Ziel war und ist es, Jugendliche von der Politik zu begeistern und aufzuzeigen, wie viel man verändern kann, wenn man nur will. Die Junge ÖVP ist mit über 100 000 Mitgliedern die stärkste politische Jugendorganisation. Es zeigt sich: Wo Jugendliche ernst genommen werden und was zu sagen haben, dort herrscht auch Begeisterung und Bereitschaft zum Engagement.