Christian Sitte ( 2002 ), GRG Wien 1
e-learning ist mehr als nur „ein Wordfile zu einem Referat zu erstellen“ , und es ist mehr als nur „mit einer Suchmaschine einen Text aus dem WWW herunterzusaugen“.
Und:
„der erziehungswissenschaftliche Antrieb sich mit (Unterrichts-)Medien und
ihrem Einsatz im Lehr- / Lernprozess zu beschäftigen, war und ist, die gewünschte
Dienstbarkeit medialer Hilfsmittel zum Erreichen bestimmter Lernziele zu
sichern bzw. verbessern „ ( Zitat von STRITTMATTER /
MAUEL; in: Issing/Klimsa,
Information und lernen mit Multimedia. Weinheim 1997)
Schulen wurden mit EDV-Geräten ausgestattet; bekamen auch kostengünstig pauschaliert WWW-Anschlüsse; in den 5. Klassen gibt es das verpflichtende Grundausbildungsfach Informatik, teilweise auch schon Freikurse in der Unterstufe; in den meisten Haushalten gehören PC und CD-ROMs zu den Gebrauchsgegenständen. Lehrer lassen sich vermehrt schriftliche Einzelarbeiten in Ausdrucken (oder auf Diskette) geben; praktisch keine Matura-Fachbereichsarbeit wird mehr (obwohl dies vom Gesetzgeber nicht ausgeschlossen wurde) handschriftlich abgeliefert; aus dem WWW heruntergeladene Zeitungsartikel werden in den Unterricht eingebracht – manche Lehrer „haben ein unsicheres Gefühl“ (oder ignorieren sie es nur ?), wenn sie Standardfragen geben und Schüler „sich ihr Goethe- oder Faschismusreferat noch schnell, schnell, am Abend davor mit ‚copy and past’ von irgendeinem ‚www-referate etc.’- Site zusammenbasteln ...“.
Aber ist da nicht mehr „drinnen“ ?
Zeigen nicht allerorts hervorsprießende Projekte und Versuche weitere, pädagogisch vielleicht ertragreichere, sinnvollere Einsatzmöglichkeiten, die über den „selbstgesteuerten Spieleeinsatz“ der Jugendlichen hinausgehen ?
Werden nicht von diesen Schülern später ganz andere Fertigkeiten und Fähigkeiten im Umgang mit den neuen Medien, einem „neuen“ (?) Lernen erwartet, das in der Aus- und Fortbildung heute immer stärker präsent ist ?
Wie sieht es bei diesen neuen Fertigkeiten, im Zusammenhang, bzw. in Wechselwirkung mit „den traditionellen“ Kulturtechniken aus ?
Was machen Lehrer bereits (abseits des EDV-Unterrichts in den anderen Fächern), was könnten sie noch, wo liegen hierzu Hemmnisse ?
Beleuchten möchte ich in den folgenden Ausführungen den grundsätzlichen Einsatz der IT außerhalb des Informatikunterrichts.
Nachdem wir am GRG 1 das Internet bekommen hatten, wurde die neue Chance zu einer willkommenen Ergänzung des schon vorher zeitweise betriebenen Einsatzes von CD-ROMs (z.B. einer zur Struktur der EU), oder einigen Simulationsspielen z.B. in Geographie und Wirtschaftskunde aus dem Angebot des Instituts für Geographie der Uni Nürnberg/Erlangen. So konnten u.a. weitere Möglichkeiten ausgelotet werden, als etwa in einer 6. Klasse im Themenbereich „Wandel industrieller Standortfaktoren“ die Interpretation zweier großmaßstäbiger Karten der Region Dünkirchen (von 1935 und 1998) - ausgehend von der mehrsprachigen Homepage der Hafenentwicklungszone – durch Luftbilder, Daten, Statistiken und weiterführende Links unterstützt wurden. Ähnlich ertragreich war ein Unterrichtsversuch zum Themenbereich „Aktien“ - damals in einer 7. Klasse : Sowohl mit traditionellen Unterrichtsmitteln, als auch über charts im Internet, aktuelle Firmeninformationen, virtuelle Börsenlexika, der Vergleich des Informationsgehalts verschiedener Bankenhomepages, in Simulationen etc. wurde das Thema aufgearbeitet . Ein anderes mal ergänzten wir ein vorhandenes Schulbuchkapitel - wie etwa das über die Planung im Donaubereich bei der U 1, über die Webseitenangebote der Wiener Stadtplanung mit dem dort vorhandenem virtuellem Material, um letztlich so vorbereitet, die reale Begegnung in Form eines Lehrausgangs zu tätigen (vgl. publiziert bei Ch.Sitte 1998, und 2000 - unter http://gw.eduhi.at/didaktik/woess/www.htm ).
Die Erfahrung solcher u. ähnlicher Unterrichtsanwendungen zeigte aber die Problematik „auf der großen virtuellen Müllhalde Internet“ ( HEDTKE R. 1999 ) jeweils zum Stundenziel, Thema und Fragestellungen Material passgenau zur Verfügung zu haben (Das Ziel „Informationen im WWW zu suchen, ist ja nur ein Teil der in diesem Zusammenhang möglichen Nutzungen). Erfahrungen beim Verlag Manz, wo ich seit 1998 die Möglichkeit bekam, schrittweise eine der ersten Linkergänzungen zu einem österreichischen Schulbuch gestalten zu können (http://www.manzschulbuch.at/geschichte.html ), brachten mich auf die Idee, so ein Einstiegsportal für GW-Klassen am GRG 1 zu entwerfen (auf der Homepage unter „Fachbereiche“). Die technischen Konstruktionsprobleme löste damals ein Schüler, dessen Name heute noch die grg1 - Geographieseite ziert. Zu einem Wahlpflichtfach Geschichte entstand eine zweite, relativ einfache Einstiegsseite. Heuer konnten die Seiten mit einem neuen System von Vorlagen (s.u.) verbessert werden (vgl. dazu Geschichteseiten bzw. GW 5. Kl. neu oder andere hier >>)
Welche Vorteile brachten diese ?
Nun zunächst einmal, dass per einfachem Mausklick jeder Schüler (ohne Eintippfehler und Suchzeiten) direkt zu den in dieser Stunde auswertbaren Quellseiten kommt. Ein „Abdriften“ in andere Webseiten von gerade aktuellen „privaten“ Interesse kann damit großteils hintangehalten werden. Der Einfachheit halber wurden nur kurze Arbeitsaufträge zu den angeführten Links dazugeschrieben oder als Arbeitsblätter zum Durcharbeiten den Schülern einfach in die Hand gegeben. Eine andere einfach zu handhabende Möglichkeit besteht darin, Kleingruppen die virtuellen Quellen durch Wandzeitungen/Plakate in die Klassenrealität hereinholen zu lassen. Man kann Klassen auch dazu auffordern, dass sie grundsätzlich in diese Stunden eigene Disketten zum Herunterkopieren von später (zu Hause) genauer auszuwertender Materialien mitnehmen und einsetzen. Massenhafter Papierverbrauch durch x-maliges Ausdrucken jeweils der gleichen Inhaltsseiten wird so vermieden. So "gewonnene" Textbausteine lassen sich auch dann noch anderwärtig weiterverwenden. Etwas anspruchsvoller ist der Weg, Schülern (u.a. auch schon vorher an Printmedienprodukten) beizubringen, Textmaterialien nach möglichen Fragestellungen durchzusehen und so eine Auswahl bezogen auf ihre Brauchbarkeit treffen zu können. Das Zusammenstellen von Dossiers oder von Unterlagen für ein Briefing Dritter, sind zwei weitere von vielen möglichen Arbeitsmethoden (vgl. dazu auch die Methodik im Englisch-als-Arbeitssprache (EAA) Geography-book von BUNCE, "World geography Case Studies", Cambridge Univ. Press - für Oberstufenklassen in Österreich vertrieben beim ÖBV - Wien)
Vorteile
daraus:
Natürlich kann ich dies alles auch mit traditionellen Medien durchführen. Es ist dabei auch impliziert - z.B. wie wir es in einem Wahlpflichtfach schon öfter praktizierten - den Weg der Erkenntnisgewinnung mit herkömmlichen Methoden (etwa der Bibliotheks- oder Zeitschriftenrecherche) und mit der Internetrecherche bezüglich Ergebnisse aber auch Aufwand, danach zu vergleichen. Natürlich kann ich auch kontroversielle Quellen, wie Zeitungsartikel abgelichtet zur Verfügung stellen. Aber das Heranziehen dieser aus Zeitungsarchiven im WWW ist breitgestreuter, aktueller möglich. Auch es gibt viele authentische Websites, virtuelle Ausstellungen (etwa das „ http://www.dhm.de/lemo“ u.a.m.), Simulationen etc, die eine Fülle von Material im Netz stehen haben, das sonst nur schwer oder gar nicht im Klassenraum verfügbar gemacht werden könnte. Ich kann solches Material sogar notfalls auch nur für den Frontalunterricht über einen mobilen Videobeamer in der Klasse verwenden. Im Sinne eines „Knowledge-Managements“ ( etwa als eine Form einer virtuellen Bibliothek) sind solche Zusammenstellungen auch etwa zwei Jahre später für die Maturavorbereitung ein Materialienstock und ein Update früher bearbeiteter Themen, bzw. können sie von Fachkollegen mitgenutzt werden. Auch der Umstand, dass wir uns nicht mehr alle Schulbücher mit dem zur Verfügung stehenden Geldlimit leisten können, kann durch solche Materialien bzw. die daraus erarbeiteten Unterlagen etwas ausgeglichen werden.
Noch wichtiger erscheint mir aber der Zugang zu konstruktivistischen Lernvorgängen (vgl. bei SPANHIEL/DIEPOLD 2000, http://www.educat.hu-berlin.de/~diepold/vorlesung/9.html . Das heißt letztlich, daß auch in einem solchen schulischen Lernprozeß die Ergebnisse nicht fertig vorgeben werden, nicht linear vorliegen und so weit mehr als nur ein einfaches Durchlernen vom Schüler fordern . Gerade die vernetzte Struktur des WWW fordern verstärkt Fertigkeiten und Fähigkeiten, die früher zwar im Unterricht auch enthalten waren, deren Anwendung und Einübung aber viel leichter zu umgehen waren . So schreibt z.B. der Lehrplan vom 1. Juli 2000 im „gesetzlichen Auftrag der AHS“ von der „...Heranbildung junger Menschen, beim Erwerb von Wissen, bei der Entwicklung von Kompetenzen und der Vermittlung von Werten. Dabei ist die Bereitschaft zum selbstständigen Denken und zur kritischen Reflexion besonders zu fördern...“ . Etwas später unter Kompetenzen schreibt er „...die Förderung solcher dynamischer Fertigkeiten soll ... auf Situationen vorbereiten, zu deren Bewältigung abrufbares Wissen und erworbene Erfahrungen alleine nicht ausreichen, sondern in denen Lösungswege aktuell entwickelt werden müssen...“. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten gelten auch für den Unterricht in GW und GS und da ganz besonders auch unter den Aspekten der Politischen Bildung ! (e-learning gibt es auch anderswo und in vielen Formen- z.B.an den VHS)
Auch die Leistungsbeurteilungsverordnung (Siehe auf der Website des http://www.bmbwk.gv.at ) legt in der Notendefinition ab dem „Befriedigend“ verstärkt Wert auf „Eigenständigkeit“ und „selbstständige Anwendung des Wissens“...
Die meisten der hier bisher angeführten Beispiele bezogen sich auf den anspruchsvolleren Oberstufenbereich.
Denn schnell und sicher lesen, strukturieren, Sachbereiche überblicken können und das außerdem noch möglichst in einer Fremdsprache, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Sicher wird man beim Einsatz zwischen Aufwand und Nutzen abwägen. Aber das Internet stellt ein Lernmedium dar, das bei adäquater Nutzung viele Funktionen von anderen Medien im Lehr- / Lernprozess vereint: Es motiviert, kann Aktivitäten steuern, die aktuelle und individuelle Wissensaneignung fördern, auch Rückmeldungen geben, Ergebnisse austauschen helfen, Erfolge kontrollieren, Lernautonomie fördern. Es bietet Entlastung für den Lehrer als direkte Informationsquellen und weist ihm stärker als bisher eine mitforschende Tutorenrolle zu : Vielleicht die eines nicht im Detail besser informierten Begleiters, aber kraft seines Überblicks von den zu erarbeitenden Grundstrukturen, Methoden der Wissensaneignung etc. die eines Leitenden in einem (gemeinsamen) Wissenserarbeitungsprozess. Eines Begleiters der gerade bei dem wichtigen zu lernenden hermeneutischen Problem der Quellenbewertung, der Quellengewichtung und Quelleneinordnung eine ganz wesentliche Rolle spielt / bzw. dann spielen wird (weil diese im Unterschied zur vorgegebenen und nur nachzuarbeitenden Text-Auswahl im Schulbuch individuell, situationsbedingt und aktuell hereingeholt werden müssen).
In Zusammenhang mit der gerade wieder (Sommer 2002) anlaufenden Oberstufenlehrplanreform wird von einer Flexibilisierung in Form stärker kursartig gestalteter Unterrichtsangebote in den letzten Oberstufenklassen gesprochen. Aus Schulen, die dies schon austesten, erfährt man, daß Schüler oft mit der (in Eigenverantwortung übergebenen) Anwesenheitsfrequenz nicht zurechtkommen. Gerade hier glaube ich, lassen sich mit einem Aufbau solcher eigener „Klassenportalseiten“ wesentliche unterstützende Elemente einbringen: Meine Erfahrungen mit solchen Lehrveranstaltungs-Seiten im Rahmen des „blackboard“-Lernsystems an der Uni Salzburg, oder einer eigenen, einfacheren Gestaltung für meinen Studenten an der Uni Wien (http://mailbox.univie.ac.at/Christian.Sitte/FD/ ) zeigten mir das. Die dadurch geschaffene Transparenz und ubiquitäre Nutzung von Material, sowie die Flexibilität im Zeitmanagement wurden bei Evaluationen allgemein positiv bewertet. Auch wenn Teilnehmer nach einiger Zeit durchaus auch feststellten, dass der indirekte „Zwang“ zu kontinuierlicher Arbeit (z.B. durch die regelmäßigen e-mail Kontakte und Arbeitsschritte) auch höher sein kann, als bei herkömmlichen, nur zweimal die Woche stattfindenden Präsenzveranstaltungen ist. Selbstverständlich sind aber auch dabei gewisse gemeinsame Präsenzphasen nötig. Schon aus dem Grund um die wichtige verbale Ebene des Unterrichts und den Diskurs zu fördern. Umgekehrt können von Einzelschülern oder Arbeitsgruppen erarbeite Ergebnisse, gepostet etwa auf einem eigenen Bereich der Klassenseite, leichter den anderen Teilnehmern zugänglich gemacht werden. Auch das vorherige Kommentieren durch den Lehrer u.a. mit dazu passenden Denkanstößen etc. sind ertragreich. Es gibt im Internet darüber hinaus auch einfache Konstruktionsprogramme für Tests : Nicht zur konkreten Leistungsfeststellung, aber als zusätzliche, jeweils auch individuell abrufbare Feed-Back-Möglichkeit (etwa für durchgearbeitete Buchkapitel, Vergleiche etc.) können solche ebenfalls eingebaut werden.
Implizit ist in diesem Zusammenhang auch daran gedacht eine Form der „Portofoliobeurteilung“ ( siehe ebenda angeführt auf den schon genannten "Klassenseiten") miteinfließen zu lassen (vgl. u.a. dazu THONHAUSER in „Schulheft 98/2000 oder BAMBERG 2000) : Im Zusammenhang mit der Leistungsfeststellung versteht man darunter die Sammlung verschiedener repräsentativer Dokumente, die den individuellen Lernweg des Schülers konkret belegen und zeigen, wieweit er die im Fach angestrebten Zielstellungen am Ende des Semesters / Jahres erreicht hat. Dazu kommen die verschiedensten Möglichkeiten in Frage. Der Vorteil ist, dass gerade in Fächern wie GW oder GS man wegkommt von nur punktuellen Testfeststellungen oder für Schüler manchmal als unklar empfunden Beurteilungen der Mitarbeit bzw. des Klebens an simpler eingelernter Faktenwiedergabe (die mit der in der AHS angestrebten "Studierfähigkeit" nur wenig gemeinsam hat). Eine solche Organisationsstruktur würde ganz allgemein die Selbstverantwortung der Schüler für die von ihnen angepeilte Note und ein Bewußtsein „Lernen als Bringschuld“ aufzufassen, fördern :
Aus einem Angebot von möglichen Leistungen kann der Lernende – je nach eigenen Notenvorstellungen, auswählen und als Leistungsnachweise abliefern. Als Materialangebot dazu können neben virtuellem Material die Bestände der Schulbibliothek, CD-ROMs, Videos der GW-Sammlung, angefertigte Protokolle von Lehrausgängen etc. sein. Mündliche Beurteilungsmöglichkeiten ergänzen das so entstandene Bild. In etwas reduzierten Ausmaß noch, versuchte ich das heuer mit Erfolg in einer 6. Klasse einzuführen.
Eine „Musterklassenseite“ – die eigentlich für den Gebrauch in der Lehrerausbildung gestaltet wurde, ermöglicht eine solche einfache virtuelle Konstruktion auch für Personen mit minimalen http-Kenntnissen (http://mailbox.univie.ac.at/Christian.Sitte/FD/musterseitenfuerdaswebteaching.htm). Oft wird ja als Hemmnis für den Einsatz solcher Vermittlungsangebote außerhalb des EDV-Unterrichts, die damit verbundenen Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung in den Untersuchungen zum IT-Einsatz in den Schulen angeführt ! Solche Seiten müssen ja nicht so breitgestreut, wie die von Mr. Bowermans „virtual Geography-Department ( http://members.aol.com/bowermanb/online.html )“ sein.
Zu Testzwecken habe ich die alte Wahlpflichtfachwebseite zu GS bzw. eine solche zur 5. Klasse GW (eine 6.Kl. bzw. ein Wahlpflichtfach GWK sollen 2002/03 folgen) einmal in dieses System hineingepasst. Die Ideen darin, zusätzliche methodische Varianten des e-learnings, wie es WEBQUESTs (aus den USA, dt. auch bei S. Gerber) oder WEBENQUIRIEs (brit.) dazu anbieten – zu beiden findet man downloadbare Templates (s.o.) – eröffnen weitere Möglichkeiten darin, Lernblöcke selbst zu gestalten. Erfahrungen zeigen, dass nämlich gerade beim Einsatz neuer Medien hier die methodischen und didaktischen Herausforderungen liegen, deren Bewältigung noch vieler Versuche bedürfen wird.
Ein weiterer möglicher „ Kollateralnutzens “ liegt in der Anwendungskomponente des Englischen als Arbeitssprache EAA, da ja ein Großteil des im www verfügbaren Materials aus diesem Sprachraum stammt. Fächerübergreifend ließen sich solche Unterrichtsvorschläge auch aus dem Netz herunterkopiert - in einem Englisch Wahlpflichtfach übersetzt - in Informatik wieder zusammengebaut – dann auch in deutschsprachiger Form u.U. in der Unterstufe schon einsetzten ! Gemeinsam mit einer Englischkollegin planen wir daher vielleicht im nächsten Schuljahr 2002/03 mit einer 6. Klasse einen Unterrichtsversuch zu unternehmen, zu dem dann auch auf der Schulhomepage mit einer eigenen Klassen-www-Seite einige der schon angeführten Möglichkeiten ( EAA-Links aus einer von mir betreuten EAA-Homepage am www.bildungsservice.at ) umgesetzt werden sollten. Fächerübergreifende Maturaprüfungen aus GWK mit Englisch konnten schon bisher auf dieses Angebot zurückgreifen.
Komplizierter – auf Grund der Materialbasis und der noch nicht so weit ausgebildeten Fertigkeiten der Schüler – ist ein flankierender Einsatz von Web-teaching-Blöcken in der Unterstufe. Um aber auch für diese Altersstufe leichter IT zusätzlich einsetzen zu können, haben wir für das Schuljahr 2002/03 ein Geographie-Buch eingeführt zu dem es eine kleine Webergänzung im Angebot gibt. Deren Möglichkeiten gehen über das hinaus, was schon bereits auf unserer erste-Klasse-Einstiegsseite vorhanden ist. Durchaus eröffnen sich hier auch Möglichkeiten für die Gestaltung des seit 2000 vom Lehrplan her vorgeschriebenen "Erweiterungsbereich" . 2003 sollen diese WWW-Ergänzungen zu Schulbüchern ausgebaut werden. Man wird sehen, wie sich dieser bereich entwickeln wird - bzw. was dann auch welche zusätzlichen Kosten aufwerfen wird.
Probleme
die natürlich auch auftreten ...
Die hier zuletzt erwähnte neue Möglichkeit, auf Zusatzangebote von Verlagen zurückgreifen zu können, birgt aber sicher (nach einer jetzt ersten, z.Z. noch kostenlosen Einstiegs-/ Werbephase) neue Kosten in sich, die durch schuleigene Projekte – ev. gemeinsam mit der universitären Lehrerausbildung (vgl. etwa auf der Fachdidaktikhomepage an der Uni Wien unter "Arbeiten"- etwa die Webquests zu Wien oder der Vorschlag für die 7. Klasse) - gemildert werden könn(t)en. Außerdem kann so viel stärker auf die individuellen Schul-, Klassen- und Lehrerbedürfnisse eingegangen werden. Freie Angebote von Bildungsservern, wie das des „ www.eduhi.at “ (für verschiedenen Fächer, in unserem Fall sei das große GW-Angebot herausgestrichen, bei dem ich im Rahmen des ZIP/Oö Teile der Contentbetreuung wahrnehmen darf) helfen dabei etwas. Die individuelle passgenaue, klassenspezifische Zusammenstellung müsste daraus aber direkt an der Schule erfolgen.
Ein wesentliches Hindernis kann auch der mangelnde Zugang zu EDV-Sälen sein. Denn natürlich gibt es für den verstärkt angebotenen Informatikunterricht Vorrang. Z.B. war es mir im heurigen Schuljahr 2001/2002 mit ca. 4 in Frage kommenden Klassen und meinem Wahlpflichtfach fast nicht möglich, zu den dafür vorgesehenen Stundenplanstunden auch einen freien EDV-Saal zu ergattern. Ich möchte hier ausdrücklich NICHT der „Modeforderung“ (?) nach Notebook-Klassen verfallen. Erste Ergebnisse (z.B. auf der Website der Donauuni/Krems oder S. 83ff bei Kysela-Schiemer: Notebooks im Unterricht; Manz 2002) zeigen, dass ohne breiteres methodischen-didaktischen Hintergrundwissen der Lehrer, bzw. didaktisch/methodisch auch befriedigend gestalteter „Musterbausteine“, die sehr hohen - weil vom BM:BWK grundsätzlich auf die Eltern abgewälzten Anschaffungskosten, dieses Unternehmen nur selten (auch in HTLs ), z.Z. in einem vernünftigen Aufwands/Ertragsverhältnis erscheinen lassen („nur mit Word mitschreiben ist mir hier zu wenig...“). Auch glaube ich, dass man durch intelligente Organisationsstrukturen und „brainware“-Einsatz, individuell an jeder Schule, ebenfalls erste wichtige Fortschritte erzielen könnte, ohne gleich reflexartig „nach des Vater Staats Geld zu rufen“ und auf zentrale Lösungen zu bauen. Materialmäßig etwa wird uns hier zumindest für das Wahlpflichtfach, eine vielleicht für den Sommer 2002 vorgesehene Adaptierung eines (oder mehrerer ?) Nebenkabinetts mit den aus der EDV-Saalumrüstung übriggebliebenen ( ? ) Computern helfen und über solche im Haus verstreute „EDV-Inseln“ mit WWW-Anschluß diese Situation entspannen etc. Denn um niemanden einer Diskriminierung auszusetzen, erscheint mir bei verstärkt eingesetztem e-teaching (das über das übliche "wir suchen halt einmal Material zum Thema xy..." hinausgeht) die Notwendigkeit eine solche "virtuelle Tankstelle" auch außerhalb der edv-Stunden oder der Möglichkeiten in der Haushaltsbereich den Schüler verfügbar zu machen.
Neue didaktische Lehrerfertigkeiten (vgl. etwa bei Pachler N., hg.: Lehren & Lernen mit IKT; T. 1 & T. 2 , Studienverlag Wien/Innsbruck 2002) fordern auch ein gewisses Maß an Bereitschaft des Sich Einlassens auf die Bewältigung rudimentärer technischer Belange. Der oben schon angedeutete Weg, dieses durch ein Angebot von schon vorgefertigten "Templates", die man auch mit nur „Kenntnissen in Word & ...abgespeichert auf html“, in relativ kurzer Zeit managen vermag, ist da sicher ein erster wichtiger Schritt – an dem man dann technisch und methodisch weiterarbeiten kann.
Im Moment laufen gerade im BHS- und Abendgymnasiumsbereich Initiativen der stärkeren Einbindung von e-learning-Modulen (vgl. bei www.votec.at ). Durch meine persönlichen Kontakte mit Kollegen vom Gymnasium Henriettenplatz und einer HAK in Wien 5, schiene mir die Nutzung von Synergieeffekten dabei durchaus als Zukunftsperspektive, besonders wenn das Fachangebot dort noch wächst (wozu wir wechselseitig auch beitragen könnten). Auch ein Angebot am Institut für Wirtschaftspädagogik an der Uni Innsbruck/Prof. P. Baumgartner, wo man sich in eine open-source-Lernumgebung ("manila") einklinken und Kurse gestalten kann.
Und es gibt in diesem Bereich natürlich auch noch einige pädagogische und gewerkschaftliche Stolpersteine. Hinter solchen Initiativen steht – und das soll man bei aller intrinsischen Motivation der Lehrer auch in der Öffentlichkeit sehen – ein gerütteltes Maß an freiwilliger Selbstausbeutung der Lehrpersonen ! Denn wirkliche finanzielle Abgeltung oder auch nur technische Unterstützung war bisher und - da bin ich skeptisch - wird auch in Zukunft dabei eher rar sein.
Und es sollte auch nach außen hin bewusst gemacht werden, dass hier allzu oft nur auf die schon genannte intrinsische Motivation, der Neugierde etwas Neues auszuprobieren (und vielleicht auch den "Spieltrieb" zu frönen) gebaut werden kann . Diese Aktivitäten werden dabei wesentlich auch dadurch beeinflusst , ob / wie solche Lehrer es auch „ernten können“, wofür sie sich abmühten. Die bildungspolitisch nicht leichte Entwicklung der letzten Jahre und die unterschiedlichsten Reaktionen an den Schulstandorten haben gerade die wesentliche Rolle der Motivation durch die schulstandortspezifischen nichtpekuniären Einflüsse wieder verdeutlicht !
D.h. u.a. Akzeptanz, dass Schüler und Eltern erkennen, dass „Lernen“ primär ein kontinuierlicher Prozeß ist, der die Summe der Jahresleistungen und Bemühungen eines Schülers (in einem fortschreitendem Prozeß) wiederspiegelt. Und dass wir dadurch wegkommen von dem nur allzu oft „des lieben Friedens willen“ praktizierten Angewohnheiten, sieben Monate im Schuljahr (fast) nichts zu machen, um dann in den letzten zwei Monaten irgendetwas rasch, rasch in die Köpfe / ins Kurzzeitgedächtnis hineinzulernen...
Dass wir Kindern/Jugendlichen in ihrer wichtigen Prägungsphase oft ein falsches Bild von „Arbeit“ vermitteln, wenn wir uns mit einigen nur rasch hingeworfenen intellektuellen Brosamen zufrieden geben, weiß ich aus unzähligen Gesprächen mit Schülern, wenn sie mir in den danach kommenden Jahren des Uni-Studiums ihr positives Feed-Back zurückgeben (und sagen "es war auch manchmal anders gewesen ... auch wenn wir das anfangs auch manchmal als härter empfunden hatten... später war es genau das...")
Vielleicht wird das auch manchen Eltern einsichtiger - durch einen Blick auf die veröffentlichte Klassenseiten und wenn man dort (quasi als Öffentlichkeitsarbeit) jederzeit auch feststellen kann, was gerade gemacht wird . Daß dies nur e i n weiterer Schritt von noch vielen in einem permanenten Prozess sein kann, den schon andere vor mir „mit dem Bohren dicker Bretter“ verglichen haben, ist mir bewusst –
Aber sonst wäre ja die Tätigkeit als Lehrer nur halb so spannend !
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Mag.
Dr.
Christian S i t t e , Manuskript verfasst im Mai 2002
Lehrer für Geographie&Wirtschaftskunde, Geschichte&Sozialkunde am Grg 1 und an einem Schulversuch Mittelschule in Wien 22, Lektor für Fachdidaktik an der Universität Wien und an der Universität Salzburg, Mitarbeiter am http://gw.eduhi.at
christian.sitte@univie.ac.at
bzw. siehe :
http://mailbox.univie.ac.at/Christian.Sitte/FD/
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